Es ist die größte Problem-Position in der Startelf der deutschen Frauen-Nationalmannschaft: Wer bekommt den Platz als Mittelstürmerin bei der WM im nächsten Sommer? Bundestrainer Christian Wück (53) hat keine Nummer 9 von Weltklasse-Format, die auch im Verein gesetzt ist. Die neueste Hoffnung für ganz vorn ist seit Freitagabend Melissa Kössler (26).
Kössler macht „gehörig Druck“
Die gebürtige Potsdamerin traf im Test gegen Australien (4:2) doppelt. Ihre ersten Treffer im fünften Länderspiel. BILD fragte Wück nach dem Sieg: Hat sich Kössler damit im Stürmerinnen-Ranking nach vorn geschossen? Der Bundestrainer: „Ich denke schon. Wenn man zwei Tore als Mittelstürmerin macht, wenn man so in den Zweikämpfen agiert, Bälle verteidigt, dann ist es genau das, was wir in unserem Spielsystem brauchen. Sie wird den anderen Mittelstürmerinnen, die wir im Kader haben, gehörigen Druck machen.“
Kössler ist eine typische Wück-Spielerin. Seit Januar spielt die ehemalige Hoffenheimerin in den USA, ist damit eigentlich raus aus dem Fokus. Doch Wück scoutet intensiv, schaut gern auch mal in die Staaten. Dort sah er, wie Kössler regelmäßig für Denver Summit spielt. In dieser Saison stand sie von 27 Spielen 19 Mal in der Startelf, wurde sechsmal eingewechselt, erzielte sechs Tore.
Und nun trifft sie auch für Deutschland – doppelt innerhalb von sieben Minuten. „Das ging alles so schnell. Ich konnte gar nicht nachdenken“, sagt Kössler. „Ich habe in den USA ganz viel Erfahrung mitnehmen können. Die Spiele dort sind sehr direkt nach vorn. Umschalten liegt mir.“ Hat man bei ihrem Solo-Lauf und dem Konter-Tor zum 2:0 gegen Australien gesehen.
Potsdamerin ist Fan von Thomas Müller
Dass sie nun in der Pole-Position für einen WM-Platz ist, nimmt Kössler – Spitzname im Team „Mille“ – nüchtern. „Die WM ist das Ziel, alles wäre eine Lüge“, sagt die Anhängerin von Sturm-Legende Thomas Müller. „Aber ich kann nur alles auf dem Platz geben und mein Bestes versuchen.“
Kössler nun mittendrin im Stürmerinnen-Rennen. „Wir brauchen eine körperlich starke Spielerin, die Bälle festmachen, verteidigen und verteilen kann, die sich im Eins-gegen-eins durchsetzen und Tore machen kann. So eine eierlegende Wollmilchsau wünscht man sich. Aber ich weiß, dass solche Spielerinnen sehr rar gesät sind“, beschreibt Wück die Anforderungen.
Verletzte Hoffmann weiter auf Wücks Liste
Der Bundestrainer nennt seine Kandidatinnen neben Kössler – und überrascht dabei. „Ich hoffe, dass Giovanna Hoffmann zurückkommt, weil sie genau das verkörpert“, sagt er. Bemerkenswert, denn das Comeback der Wolfsburgerin steht nach Komplikationen bei der Genesung von einem Kreuzbandriss in den Sternen. Wück weiter: „Wir haben mit Nicole Anyomi eine, die das auch spielen kann. Lea Schüller hat eine unheimlich gute Torquote bei uns.“