Velké Březno (Tschechien) – In unserem Nachbarland verschwindet eine echte Traditionsbrauerei. Ihre Wurzeln reichen stolze 420 Jahre zurück, seit 273 Jahren wird am heutigen Standort Bier gebraut. Und das ist längst auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt: Selbst in deutschen Supermärkten steht es in den Regalen.
Jetzt steht jedoch fest: Die Produktion in der Pivovar Velké Březno (dt. Brauerei Großpriesen) wird eingestellt. Das Březňák-Bier bleibt dennoch erhalten. Künftig wird es in anderen Heineken-Brauereien gebraut. Im Laufe des Jahres 2026 hatte die Brauerei die Produktion bereits reduziert. Die verbleibenden Teile des Werkes werden nun ebenfalls stillgelegt, so Robert Kičina, Direktor für Außenbeziehungen von Heineken Tschechien, gegenüber dem Nachrichtenportal Ústecký deník.
Brauerei mit langer Tradition
Die Brauerei in Velké Březno ist eine der traditionsreichsten Brauereien in der Tschechischen Republik. Ihre Wurzeln reichen zurück bis ins Jahr 1606. Das moderne Brauhaus wurde später erbaut. 1753 ließ Graf Ferdinand Bonaventura von Harrach einen neuen Wirtschaftshof errichten.
Das Unternehmen erlebte seine Blütezeit um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, als es Bier in die ganze Welt exportierte. Die Traditionsmarke mit dem Bild des Eisenbahners und Bierliebhabers Victor Cibich auf dem Etikett ist eine Tochter des niederländischen Bier-Riesen. Der Konzern Heineken übernahm 2008 den tschechischen Konkurrenten.
Was mit dem Standort passiert
Allerdings macht der Standort nicht komplett dicht. Vertrieb und Logistik bleiben vor Ort, wie die Dresdner Neuesten Nachrichten berichten. Was sind die Gründe für das Brau-Aus? Genauso wie in Deutschland geht auch in Tschechien der Bierkonsum immer weiter zurück. Dazu leidet die Produktion unter den steigenden Kosten für Energie und Rohstoffe.
Bierkonsum geht immer weiter zurück
Unterdessen hat die Bierkrise auch Deutschland voll erwischt. Der Konsum geht beim Bier seit Jahren drastisch zurück. Die Deutschen tranken 2025 wieder 5,8 Prozent weniger von dem Gerstensaft. In diesem Jahr sinkt der Absatz erneut, der Preiswettbewerb in den Supermärkten und Discountern ist ruinös für die Brauereien. Das hat bittere Folgen.
Gerade erst erwischte die Krise einen alteingesessenen Traditionsbetrieb in Niedersachsen, der seit 165 Jahren besteht. Die Brauerei Rupp mit dem angeschlossenen Restaurant Felsenkeller in Lauenau im Landkreis Schaumburg steckt in der Insolvenz. Die Brauerei Eichbaum in Mannheim hat sogar komplett dichtgemacht. Nach fast 350 Jahren wurde dort das letzte Bier gebraut, die Produktion am 30. September für immer eingestellt.