Hamburg – Ein kahlköpfiger, sportlicher Mann wird am Montag aus einem Anwaltsbüro in Israel direkt in den Hamburger Gerichtssaal geschaltet. Tzach K. (42) soll bei der Entführung der Kinder von Christina Block (53) in der Silvesternacht 2023/2024 dabei gewesen sein. Was er am 60. Prozesstag in seiner Video-Vernehmung aussagt, belastet die Steakhouse-Erbin schwer.
„Man hat uns gesagt, es geht darum, die Kinder zu retten.“ So jedenfalls habe er die Lage damals eingeschätzt. Er sei einer der Fahrer der zwei Entführungswagen gewesen.
Block bestreitet die Vorwürfe
Christina Block wird vorgeworfen, die Entführung ihrer damals 10 und 13 Jahre alten Kinder bei einer israelischen Sicherheitsfirma in Auftrag gegeben zu haben. Sie bestreitet jede Schuld, im Falle einer Verurteilung drohen ihr mehrere Jahre Haft.
Der 42-Jährige, der nun für Fragen und Antworten zur Verfügung steht, hatte sich nach Prozessbeginn 2025 als Erster der mutmaßlichen Entführer aus Israel bei den Ermittlern gemeldet, wollte auspacken. Alle Infos, die er über Christina Block und ihre Kinder hatte, habe er von David Barkay, Chef der israelischen Sicherheitsfirma, und dessen enger Mitarbeiterin Keren Tenenbaum bekommen.
In seiner Videovernehmung vor Gericht gab er an, vor der Tat damals in München gelandet und mit der Bahn nach Hamburg gekommen zu sein. „Keren sagte, wir seien Ehrengäste des Hotels und das Hotel gehöre Christina.“ Er habe Barkay geglaubt, dass es darum ginge, Blocks Kinder zu retten, die in Dänemark vom Vater festgehalten und misshandelt würden. Barkay habe gesagt, alles sei mit den Behörden geklärt.
„Christina erzählte uns die Geschichte“
Christina Block habe er am 30. oder 31. Dezember kennengelernt, Barkay habe sie ihm vorgestellt. „Sie sah sehr bewegt aus und traurig. David hatte uns erzählt, dass es zuvor schon eine Gruppe gab, die es versucht hätte und gescheitert wäre. Er sagte, dass nur Israelis das schaffen können. Christina erzählte uns die Geschichte auch nochmal. Sie wünschte uns viel Erfolg, mit Tränen in den Augen.“ Bei diesem Treffen mit Christina Block habe er wie alle auf Ansage von Barkay eine Maske getragen. „David war der Chef. Wir dachten, er weiß schon, was zu tun ist.“
Bei der Entführung der Kinder soll Tzach K. einen der Fluchtwagen gefahren haben: „Keren klopfte ans Autofenster, sagte, es passiert jetzt und ich sollte den Wagen wenden. Wir fuhren zu einem Wald. Dort sollte ich die Kinder lassen und dann zu einem anderen Treffpunkt weiterfahren. Es war für mich merkwürdig, die Kinder in einem Wald zu lassen, wieso sollten die Kinder durch einen Wald gehen? Dann hörte ich schon eine Polizeisirene und man hatte das Gefühl, sie seien schon hinter uns.“
Kinder schrien und weinten
Wie verhielten sich die Kinder im Auto? „Sie haben geweint. David schrie, dass sie ruhig sein sollen und sagte, dass sie zu ihrer Mutter fahren.“
Christina Block habe sich anschließend persönlich bei ihnen bedankt und sei sehr bewegt gewesen. Dann seien sie zum Flughafen gebracht worden und abgereist: „Ich habe eine Flasche Wein bestellt, um zu feiern, dass die Kinder jetzt in Sicherheit sind.“
Als Entlohnung seien jedem 10.000 Euro versprochen gewesen, er habe aber nur 6000 bekommen. Weil sein Anwalt am Montag nur begrenzt Zeit hatte, wurde die Vernehmung von Tzach K. um 14 Uhr unterbrochen und soll am Dienstag weitergehen.