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Bier in mehr als 100 Gaststätten: Deutsche Traditions-Brauerei nach 165 Jahren insolvent

Bier in mehr als 100 Gaststätten: Deutsche Traditions-Brauerei nach 165 Jahren insolvent
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Lauenau – Ein alteingesessener Traditionsbetrieb wird von der aktuellen Pleitewelle in Deutschland erfasst. Es erwischt eine kleine Brauerei in Niedersachsen, die seit 165 Jahren besteht und eine feste Stammkundschaft hat. Nach so langer Zeit jetzt die Insolvenz. Der Fall zeigt, in welchen Schwierigkeiten deutsche Brauereien stecken.

Die Brauerei Rupp mit dem angeschlossenen Restaurant Felsenkeller in Lauenau im Landkreis Schaumburg (Niedersachsen) ist in der Region sehr bekannt. 1861 wurde sie von dem aus Bayern stammenden Sebastian Rupp gegründet.

Geschäftsführerin Kerstin Rupp (60) bestätigt gegenüber BILD: „Ja, wir haben Insolvenz angemeldet.“

Diese Kosten brachten die Brauerei in Schwierigkeiten

Hauptursachen für diesen Schritt laut der Chefin: gestiegene Kosten. Vor allem die Energiekosten hätten dem Betrieb mit 17 Mitarbeitern zu schaffen gemacht. „Wir haben versucht, da zu sparen, haben uns ein Blockheizkraftwerk und eine Photovoltaikanlage zugelegt“, erklärt Rupp. Aber das reichte nicht.

Die Geschäftsführerin klagt im Gespräch mit BILD: „Es werden einem so viele Steuern auferlegt, dass es sich schon fast nicht mehr lohnt. Was uns aber zuletzt massiv beeinträchtigt hat, sind die stark gestiegenen Benzinpreise“, so Rupp.

Wo Gäste sparen

Das schlägt sich einerseits auf die Transportkosten nieder, andererseits „merkt man das aber auch an den Gästen“. Die kamen sonst aus ganz Niedersachsen, bis aus Hannover, müssten aber nun selbst Fahrtkosten sparen und hätten zudem weniger im Geldbeutel beim Essengehen, erzählt Rupp.

Was jetzt mit dem Unternehmen passiert

Es gibt aber schon eine Lösung und damit eine Zukunftsperspektive für die Beschäftigten der traditionsreichen Brauerei: Im Rahmen des Insolvenzverfahrens und einer gezielten Umstrukturierung werde man die Gaststätte ab dem 1. November an eine neue Betreiberin verpachten, mit der man eng zusammenarbeiten werde. Die Brauerei und die Immobilien bleiben im Familienbesitz und sollen ebenfalls fortgeführt werden. Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde Moritz Sponagel bestellt.

Die beliebten Gerichte, wie z.B. selbst gemachte Haxn und Currywurst, sollen bleiben. Ebenso wie das in der Region geschätzte Rupp-Bier (Pilsener, Dunkel, Weizen), das in mehr als 100 Gaststätten in der Umgebung ausgeschenkt wird. „Alles bleibt für unsere Gäste im Felsenkeller so, wie es ist“, kündigt Kerstin Rupp an.

Eine Brauerei nach der anderen kippt

Nicht nur der Kostendruck und der Sparzwang der Verbraucher setzen Brauereien in Deutschland zu. Die Deutschen trinken auch insgesamt immer weniger Bier. 2025 ging der Bierkonsum in Deutschland um 5,8 Prozent zurück. In diesem Jahr sinkt er weiter. Das hat Folgen. Gerade erst hat die Brauerei Eichbaum in Mannheim dichtgemacht. Nach fast 350 Jahren wurde dort das letzte Bier gebraut, die Produktion am 30. September für immer eingestellt. 181 Mitarbeiter verlieren ihre Jobs. Die Brauerei Wolters in Braunschweig schließt zum 31. Dezember 2026. Für die rund 90 Mitarbeiter endet damit die Hoffnung auf eine Rettung. In Bayern baute die Aktienbrauerei Kaufbeuren massiv Personal ab. Jeder zweite Job war betroffen.

Eine Brauerei nach der anderen kippt. Auch das Aus der Brauerei Bergbräu in Uslar in Niedersachsen wurde verkündet.

In Zwickau in Sachsen geriet die Mauritius Brauerei in Schwierigkeiten. Immerhin gab es dort Interesse von Investoren. Und in NRW mussten die Gräflich zu Stolberg'sche Brauerei Westheim und die Brauerei Allersheim bei Holzminden Insolvenz anmelden. Und der Warsteiner-Konzern schließt die Herforder Brauerei in Hiddenhausen. Die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Deutschland steckt in der Bier-Krise.

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