Berlin – Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (53, CDU) wird seine Spitzenkandidatur für die Wahl des Abgeordnetenhauses im September zurückziehen. Den Rückzug seiner Kandidatur gab Wegner bei einer Stellungnahme am Nachmittag bekannt. Wegner betonte, er „kriege es nicht mehr hin“, die Berliner zu erreichen. Neuer Spitzenkandidat soll laut mehrerer Medien Stefan Evers (46) werden. Evers ist seit April 2026 Finanzsenator im Senat Wegner.
Zur Begründung sagte Wegner, er habe festgestellt, „dass ich mit den wichtigen Themen, mit den Themen, die für die Berlinerinnen und Berliner wichtig sind, (...) nicht mehr durchdringe“, weil „eine andere Debatte alles überlagert“. Deshalb müsse es „Konsequenzen geben“. Schließlich sei „die Stadt Berlin (...) wichtiger als eine Person“.
Hintergrund ist eine monatelange Debatte um falsche Angaben Wegners über sein Krisenmanagement nach einem großen Stromausfall im Januar. Seine Kommunikation in den tagen danach hat er klar tituliert: „Das war Mist!“.
In der CDU rumort es, weil die Partei in einer Umfrage zuletzt auf 17 Prozent abgerutscht ist. Bei der Wahl 2023 hatte die CDU noch 28,2 Prozent erreicht. Wegner war danach – erst im dritten Wahlgang – zum Regierenden Bürgermeister und Nachfolger von Franziska Giffey (48, SPD) gewählt worden.
Es gibt Forderungen an Wegner, auf seine Spitzenkandidatur zu verzichten. Wegner ist seit April 2023 Regierender Bürgermeister in einer schwarz-roten Koalition.
Wegner hatte indes an diesem Freitag gleich mehrere öffentliche Auftritte kurzfristig abgesagt – und heizte damit die Spekulationen um die Gründe für seine Abwesenheit an. Schon am Morgen fehlte Wegner bei einem wichtigen Termin im Bundesrat. Stattdessen sprang Finanzsenator Stefan Evers (46, CDU) ein, der schon länger als möglicher Nachfolger gehandelt wird. Nach Informationen des „Tagesspiegel“ hatte Wegner die Aufgabe bereits am Vortag an Evers übertragen. Im Bundesrat sprach dieser zu einem Berliner Antrag zur Verschärfung des Waffenrechts.
Auch eine angekündigte „Dinnerspeech“ am Donnerstagabend beim 75-jährigen Jubiläum der Wiedergründung der Vereinigung der Handelsrichter am Wannsee sagte er kurzfristig ab.
Zwar wäre ein Austausch formal nach dem Wahlrecht noch möglich – und zwar dann, wenn der neue Spitzenkandidat bereits als Abgeordneter kandidiert. Zu erwarten ist aber eher, dass sich die CDU-Spitze zusammenrauft, damit Berlin bei der nächsten Wahl nicht nach links abdriftet. Denn zuletzt führten Linke und Grüne im Umfrage-Ranking.