Berlin – Sie richtet noch einmal ihre Jacke, den Schulrucksack auf dem Rücken. Lisa Tạ (13) ist schwarz gekleidet, als sie am Dienstag, den 3. November, um 7.17 Uhr ihr Elternhaus in Berlin-Marzahn verlässt. Um 7.27 Uhr will Lisa den Bus 197 Richtung Mahlsdorf/Kaulsdorf nehmen. Er hält an ihrer Schule an der Sella-Hasse-Straße. Doch dort kommt sie nie an.
Eine Überwachungskamera in der Wohnung zeichnet Lisas letzte Minuten vor ihrem Verschwinden auf. Das Video liegt BILD vor. Lisa hat ihre Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Sie läuft über den Flur, ehe sie Augenblicke später das Haus verlässt.
Hinter dem Verschwinden könnte ein schreckliches Verbrechen stecken. Polizei und Staatsanwaltschaft gehen inzwischen von einem Kapitalverbrechen aus. „Der Begriff Kapitalverbrechen umfasst Delikte an Menschen wie Entführungen, Körperverletzungen, aber auch Tötungsdelikte. Das ist bislang offen. Es gibt keinen Hinweis auf den Verbleib bis jetzt und es ist nicht davon auszugehen, dass sie sich freiwillig entzogen hat. Es sind alle Mordkommissionen in den Einsatz involviert, ein komplettes LKA ist damit beschäftigt“, sagt Staatsanwaltschaftssprecher Michael Petzold zu BILD.
Am Samstag suchten erneut 220 Polizisten nach der Schülerin. Ein Polizeihubschrauber kreiste in der Luft. Bereits am Freitag hatten mehr als 100 Beamte, Spürhunde und ein Hubschrauber das Wohngebiet abgesucht. Vergeblich. Lisa bleibt verschwunden. Und auch die Sorgen der Familie bleiben. Mit einem Hilferuf wendet sich Lisas Mutter an die Öffentlichkeit: In einem Video, das sie bei Facebook veröffentlichte, bittet sie um Mithilfe bei der Suche nach ihrer vermissten Tochter.
„Inzwischen liegt alles bei der Polizei. Jetzt kann ich nur noch alle meine Freunde um Hilfe bitten“, sagt sie. „Meine Familie und ich kennen in ganz Deutschland sehr viele Menschen, wir haben viele Freunde und Bekannte. Deshalb bitte ich meine Freunde: Jeder soll ein bisschen helfen und den Aufruf teilen.“ Auch ausländische Medien sind bereits auf den Fall aufmerksam geworden. So berichtet das vietnamesischsprachige Nachrichtenportal „TamdaMedia“ über das Verschwinden der Schülerin. „Die Familie ist in großer Sorge und hofft, dass alle helfen können, sie bald zu finden“, so die verzweifelten Worte einer Mutter, die ihr Kind vermisst.
Letzter Chat mit Freundin
Lisa chattete kurz vor ihrem Verschwinden noch mit einer Freundin. Drei Minuten nachdem sie losgegangen war, brach der Kontakt zu ihr ab, sagt ihre Schwester Linda (17) gegenüber BILD. Die Mordkommission in Berlin fragt: Wer hat Lisa am Dienstag, dem 3. November, nach 7.15 Uhr gesehen? Wer kennt Lisa näher oder hatte seitdem Kontakt zu ihr? Wer weiß, wo sie sich aufhält? Hinweise nimmt die 5. Mordkommission unter (030) 4664-911555 oder per Mail an [email protected] entgegen, außerdem jede Polizeidienststelle.