Lam (Bayern) – Ein älteres Ehepaar aus Israel will Urlaub in der Oberpfalz machen – und bekommt eine Nachricht, die sprachlos macht. Vergangene Woche wollten die beiden über Booking.com ein Zimmer im Hotel „Zum Hirschen“ in Lam buchen. Statt einer Zusage kam die Antwort: „Tut uns leid, in unserem Hotel sind keine Juden erlaubt.“
Der Fall verbreitete sich rasant, auch israelische Zeitungen berichteten. Das Ehepaar wandte sich an das Online-Buchungsportal und an das israelische Generalkonsulat in München (Bayern). Nach Prüfung bestätigte sich die Echtheit der Nachricht. Booking.com entfernte das Hotel von der Plattform, es ist dort derzeit nicht mehr buchbar.
„Sind wir wieder in den 1930er Jahren“
Israels Generalkonsulin in München, Talya Lador-Fresher (63), sagte zu BILD: „Nachdem sich das israelische Ehepaar bei uns gemeldet hat, konnte ich das zunächst gar nicht glauben. Nachdem wir diesen offenen Antisemitismus auf mehreren Wegen verifiziert hatten, war ich fassungslos. Sind wir wieder in den 1930er Jahren, in denen Juden der Zutritt verweigert wird?“
Sie warnt: „Ich äußere mich nicht zu dem Vorfall, um damit das Hotel zu adressieren. Ich richte mich an die deutsche Gesellschaft. Schaut mal, der Antisemitismus explodiert hier. Da muss etwas geschehen, sonst ist die deutsche Demokratie in Gefahr. Die guten Leute in der breiten Mitte der Gesellschaft sollten ein Zeichen setzen, etwa durch das Anbringen von Stickern gegen Antisemitismus, damit der Antisemitismus hierzulande nicht salonfähig wird.“
Bayerns Antisemitismusbeauftragter Dr. Ludwig Spaenle (64) leitete den Vorfall an die zuständigen Behörden weiter. Die Generalstaatsanwaltschaft München hat die Ermittlungen wegen des Verdachts der Volksverhetzung gegen unbekannt eingeleitet. Spaenle nennt die Äußerung eindeutig antisemitisch: „Es ist wichtig, dass wir mit offenen Augen auf solche Vorfälle reagieren und konsequent handeln.“
Hotel entschuldigt sich
Hotel-Juniorchef Andreas Vogl erklärt: „Das ist überhaupt nicht unser Weltbild.“ In einer E-Mail heißt es: „Es war definitiv falsch von uns, auf diese Art und Weise im Chat zu antworten.“
Als Begründung führt das Hotel eine Welle von Fake-Buchungen und Phishing-Versuchen an. Man habe die Anfrage für einen Fake gehalten. Dass ausgerechnet Ärger über angebliche Fake-Reservierungen in einem Satz wie „In unserem Hotel sind keine Juden erlaubt“ endet, sorgt jedoch für Kopfschütteln. Die Generalkonsulin sagt klar: „Die Erklärung des Hoteliers verstehe ich in dem Zusammenhang nicht und sie ist für mich inakzeptabel. Der Fall liegt jetzt beim Justizministerium.“
Das Ehepaar wurde für eine Woche kostenlos in die Oberpfalz eingeladen. Laut Vogl gehen inzwischen täglich Drohungen und Morddrohungen im Hotel ein. Dass das Hotel von der Booking.com-Plattform entfernt wurde, nennt er „ein Riesenproblem“.