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Bachfest in Leipzig: Star-Dirigent Sir Gardiner entgleist bei Auftritt

Bachfest in Leipzig: Star-Dirigent Sir Gardiner entgleist bei Auftritt
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Leipzig – Normalerweise werden die Auftritte von Star-Dirigent Sir Eliot Gardiner (83) weltweit vor großem Publikum gefeiert. Doch sein jüngster Auftritt beim Bachfest Leipzig sorgt für Empörung. Auf offener Bühne vergriff er sich an einer Mitarbeiterin des Festivals. Jetzt bekam er eine Strafanzeige. Und es ist nicht das erste Mal, dass Gardiner handgreiflich wird.

Die verstörende Szene ereignete sich bereits am 16. Juni in der Leipziger Thomaskirche: Der Barockspezialist hatte gerade ein Konzert beendet und wandte sich seinem Ensemble „The Constellation Choir & Orchestra“ zu. Dann zeigt ein Videomitschnitt eines philippinischen Festivalbesuchers, was sich im ausverkauften Sakralraum abspielte: Eine Mitarbeiterin nähert sich im offiziellen „Bach – we are family“-Shirt dem berühmten Briten, um ihm die übliche Danksagung zu überreichen: eine Papierrolle mit Bachnoten und eingeklebtem Samentütchen.

Weltstar Gardiner provoziert Eklat

Doch was macht Gardiner? Er nimmt die Rolle entgegen, zögert kurz, zieht dann die Frau offensichtlich am Shirt und versucht vermeintlich, ihr die Rolle unter das Shirt zu stecken. Bevor das Papier herunterfällt, nimmt sie die Rolle zurück und macht erst mal ihren Job weiter. Doch am nächsten Tag lässt sie sich krankschreiben und: „Die Frau stellte Strafanzeige“, bestätigte eine Polizeisprecherin auf BILD-Nachfrage.

Festivalchef kritisiert den berühmten Musiker

Bachfest-Intendant Michael Maul (48) sagt auf BILD-Anfrage: „Das Verhalten war rüpelhaft, mir tut das sehr leid.“ Nachdem der Eklat die Runde machte, suchte Maul das Gespräch mit der Betroffenen und Gardiner. Maul: „Er wollte sich dann bei ihr entschuldigen.“ Doch die öffentlich gedemütigte freie Mitarbeiterin ging nicht selbst ins Steigenberger Hotel, in dem Gardiner übernachtete, sie schickte zwei Vertrauenspersonen. Michael Maul war auch dabei: „Er klang sehr aufrichtig zerknirscht.“ Das Festival will den Vorfall nun von externen Experten aufarbeiten lassen und erarbeitet ein neues Awareness-Konzept.

Gardiner weist „sexuellen Übergriff“ zurück

Gardiner ließ in einem schriftlichen Statement ausrichten, er sei zutiefst unglücklich über das „unglückliche Missverständnis“. Er habe „nur versucht, die Rolle zurückzugeben“, hieß es darin. Weil ihre Hände voll gewesen seien, hätte er die Rolle kurzzeitig unter der Halskette platziert. Das sei „in einem Moment aufrichtiger Verwirrung“ geschehen, da der Kontakt für ihn unerwartet erfolgt sei. Den Vorwurf eines sexuellen Übergriffs wies der Musiker zurück.

Der Brite steht schon länger wegen seines offenbar hitzigen Temperamentes unter Beobachtung: Im August 2023 ohrfeigte er einen Sänger in Frankreich und unterzog sich daraufhin einer Therapie. Erst 2024 gab er sein Comeback mit einem neuen Ensemble.

Staatsanwaltschaft ermittelt ergebnisoffen

Die Staatsanwaltschaft Leipzig teilte BILD auf Anfrage mit: „Die Strafanzeige wurde bei der Staatsanwaltschaft unter dem Tatvorwurf der sexuellen Belästigung (§ 184i StGB) erfasst“, so Oberstaatsanwalt Ricardo Schulz (62). „Der im Rahmen der Anzeige geschilderte Sachverhalt wird dabei unabhängig von dem erfassten Tatvorwurf unter allen strafrechtlichen Gesichtspunkten geprüft.“

Die Ermittlungsbehörde betont: „Die Erfassung der Anzeige als solches sagt daher noch nichts darüber aus, welchen Ausgang die Prüfung der Anzeige nehmen wird und ob es mangels hinreichenden Tatverdachts einer Straftat zu einer Einstellung des Verfahrens oder zu einer Anklageerhebung kommt.“ Schulz: „Für den Angezeigten gilt insoweit bis zum Abschluss des Verfahrens die Unschuldsvermutung.“

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