Mailand (Italien) – Ein Millionenprojekt der USA sorgt in Mailand für einen Skandal! Ausländische Arbeitskräfte sollen bei dem Bau des 350 Millionen Dollar (circa 302 Millionen Euro) teuren amerikanischen Konsulats ausgebeutet worden sein. Ihr mickriger Stundenlohn: knapp unter zwei Dollar – umgerechnet also weniger als 1,80 Euro! Im Vorfeld waren ihnen „faire Löhne“ versprochen worden.
Das geht aus Gesprächen mit Arbeitern und einer Überprüfung ihrer Arbeitsverträge und Gehaltsabrechnungen hervor, berichtet die US-amerikanische Nachrichtenagentur Associated Press (AP). Jetzt ermittelt die italienische Staatsanwaltschaft gegen das Bauunternehmen Caddell Construction mit Sitz in Montgomery, Alabama. Die Firma ist maßgeblich an dem Bau des amerikanischen Konsulats in Mailand beteiligt.
Manager bei versuchter Ausreise gefasst
Zwei Manager des Unternehmens wurden bereits wegen des Verdachts der Arbeitsausbeutung festgenommen: Wie die Staatsanwaltschaft erklärte, wurde einer am Flughafen bei der Ausreise gefasst, der andere bei der Planung seiner Flucht. Caddell und das US-Außenministerium wollen die Vorwürfe untersuchen.
Rund 70 Mitarbeiter betroffen
Betroffen von der Ausbeutung sind rund 70 Mitarbeiter. Sie stammen hauptsächlich aus Indien. Caddell soll den Arbeitern unrechtmäßig Geld für die Unterkunft und die Verpflegung vom Lohn abgezockt haben. Einige der Arbeiter sollen zudem gezwungen worden sein, sechs Tage die Woche für zehn Stunden am Tag zu arbeiten. Für einige bedeutete das nach Abzug der Kosten monatlich nur noch 500 Euro. In Mailand liegt der Mindestlohn für Bauarbeiter laut der Sozialkasse Cassa Edile bei 13,39 Euro pro Stunde.
Das sagt das Unternehmen
Zwei Arbeiter erhielten laut AP Arbeitsverträge, welche ihnen ein Jahresgehalt von über 25.000 Euro versprachen – unterschrieben von einem Firmenvertreter, gedruckt auf Caddell-Briefpapier. Laut den Aussagen der Arbeiter hieß es im Nachhinein, dass die 25.000 Euro im Arbeitsvertrag „für Visazwecke“ bestimmt gewesen und kein Zahlungsversprechen seien. In einer Stellungnahme erklärte das Unternehmen: „Caddell setzt sich für eine faire Behandlung und Bezahlung seiner Mitarbeiter ein. Wir werden weiterhin in gutem Glauben mit den Behörden zusammenarbeiten, um das Wohlergehen derjenigen zu gewährleisten, die an diesem wichtigen Projekt arbeiten.“
Die Arbeit an dem Gebäude wird unter gerichtlicher Aufsicht fortgesetzt. Den Arbeitern werden demnach keine Kosten mehr für Unterkunft und Verpflegung abgezogen. Ihre Arbeitszeit ist auf 45 Stunden begrenzt, und sie haben Anspruch auf zwei freie Tage pro Woche.