Berlin – Vielen Juden in Berlin macht die Vorstellung Angst, die Hauptstadt könne von einer Koalition mit gesichert Linksextremen an der Spitze regiert werden! Jetzt üben sie in einem offenen Brief harte Kritik an Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp (45). Sie würde Fragen nach Antisemitismus in der eigenen Partei stets mit dem Verweis auf den Schutz allen Lebens beantworten, kritisieren sie.
„Keiner ihrer Sätze ist falsch, sie beantworten jedoch nicht die Frage“, schreiben sie. Das besondere Schutzbedürfnis der jüdischen Minderheit werde damit aus ihrer Sicht „bagatellisiert“. Unterzeichnet haben den Brief unter anderem die frühere Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin Lala Süsskind, WerteInitiative-Chef Elio Adler, Rapper und Antisemitismus-Aktivist Ben Salomo, Journalistin Antonia Yamin. Auch BILD-Redakteur Philip Fabian gehört zu den Unterzeichnern.
Viele der Unterzeichner hätten bis vor kurzem niemals ihren Namen öffentlich als jüdisch bekannt gegeben, sagte Mitinitiator Elio Adler von der WerteInitiative BILD. Trotzdem würden sehr viele aus seinem Bekanntenkreis dem Brief zustimmen, sich aber aus Angst nicht trauen, ihn zu unterschreiben.
„Es geht längst nicht mehr um einzelne Ausrutscher“
„Es geht längst nicht mehr um einzelne Ausrutscher oder einzelne antisemitische Aussagen“, erklärt dazu der WerteInitiative e.V., die den Brief initiiert hatte. „Die Ereignisse der vergangenen Wochen – ‚Yalla Intifada’ und ‚Death to the IDF’ bei einer Linken-Veranstaltung, umstrittene Gäste auf der Wahlparty und fragwürdige Distanzierungen ohne Konsequenzen – reihen sich in eine Entwicklung ein, die viele Berliner Juden seit Jahren mit großer Sorge beobachten.“
„Jede Synagoge und jede jüdische Schule in Berlin steht unter Polizeischutz“, hieß es weiter. „Die Meldestelle RIAS zählte 2025 rund 2200 antisemitische Vorfälle, sechs pro Tag. Es wurden konkrete Anschlagspläne gegen jüdisches Leben aufgedeckt, bevor sie umgesetzt werden konnten. Und ausgerechnet jetzt will die Linke laut Wahlprogramm den Verfassungsschutz auflösen und die Polizei verkleinern.“ Eine Erklärung gegen Antisemitismus reiche darum nicht aus.
Antwort an jüdische Linken-Unterstützer
Der offene Brief ist eine Antwort auf einen vorherigen Brief von 150 Juden, die FÜR ein Linksbündnis geworben hatten. Darin stand, Rot-Rot-Grün sei „die klar bessere Wahl für diese Stadt, auch für uns Juden“, weil hohe Mieten das soziale Gefüge und damit auch Juden am stärksten gefährdeten. Die Unterzeichner (darunter die Autorinnen Deborah Feldman und Eva Menasse) hatten sich demonstrativ hinter die Linke gestellt und behauptet, das Thema Antisemitismus in der Linkspartei werde „zynisch politisch instrumentalisiert“, um bezahlbares Wohnen zu verhindern.
„Wir widersprechen“, beginnt die Antwort der Replik mit über 200 Unterzeichnern. Man nehme nicht hin, „dass unsere Sicherheit gegen Fragen der sozialen Gerechtigkeit aufgerechnet wird“. Eine Stadt könne sozial gerechter werden und für Juden gleichzeitig gefährlicher. „Beides zusammen ist kein Fortschritt.“
Auch prominente ehemalige Politiker haben sich vor der nächsten Gesprächsrunde gegen eine Linken-geführte Regierung gestellt. Zu den rund 80 Erstunterzeichnern ihres „Berliner Appells für Verantwortung“ gehören Ex-Außenminister Joschka Fischer (Grüne), der frühere Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) und Ex-Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU). Sie warnen, eine Regierung unter Führung der Berliner Linken könne „ein Klima erzeugen, in dem nicht mehr die Sicherheit von Jüdinnen und Juden in Berlin garantiert werden kann“.