Politik

„Absolutes Desaster“: Trotz Wahlsieg – AfD frustriert über eigenen Wahlkampf

„Absolutes Desaster“: Trotz Wahlsieg – AfD frustriert über eigenen Wahlkampf

Schwerin – Die AfD hat in Mecklenburg-Vorpommern die Landtagswahl gewonnen. Doch hinter den Kulissen brodelt es offenbar gewaltig. Eine interne Analyse des eigenen Wahlkampfs stellt der Partei ein schonungsloses Zeugnis aus – und nimmt vor allem die umstrittene Doppelspitze ins Visier. „Kommunikativ und organisatorisch war diese Entscheidung ein absolutes Desaster“, heißt es in dem 25-seitigen Papier mit Blick auf die Doppelspitze aus Enrico Schult (47) als Spitzenkandidat und Leif-Erik Holm (56) als Ministerpräsidentenkandidat.

Noch deutlicher wird der Autor bereits auf der dritten Seite des Dokuments: „Diese Kampagnenanalyse zeigt unbeschönigt, wie die Chance auf die Regierungsübernahme 2026 in Mecklenburg-Vorpommern durch eine unkoordinierte Doppelspitze, mangelnde Gremiendisziplin und fehlende Abstimmung verspielt wurde.“

Generalsekretär Dario Seifert (32) versucht, die Wogen zu glätten: „Wir können wirklich sehr zufrieden sein. Wir sind zur stärksten Kraft im Land geworden.“ Das Papier sei keine Abrechnung, sondern eine sachliche Betrachtung verschiedener Aspekte des gesamten Wahlkampfs.

Wer den Bericht verfasst hat

Verfasst wurde die Analyse nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa von Daniel Fiß (33). Er arbeitet als persönlicher Referent des AfD-Fraktionsvorsitzenden – also aktuell bei Enrico Schult – und ist im Verfassungsschutzbericht Mecklenburg-Vorpommerns von 2024 als früherer Bundesleiter der rechtsextremen Identitären Bewegung Deutschland erwähnt.

In seiner Analyse beklagt Fiß unter anderem eine unzureichende finanzielle und personelle Ausstattung der Kampagne. Zum Kernproblem macht er jedoch die Konstruktion mit Schult und Holm. „Hier der Ministerpräsidentenkandidat ohne Listenplatz und mit einer Hintertür zurück in den Bundestag und dort der Spitzenkandidat ohne direkte Konfrontationsrolle mit der SPD-Amtsinhaberin“, schreibt Fiß.

Auch Holms Wahlkampfauftritt bekommt sein Fett weg. Fiß wirft ihm mangelnde Abstimmung und teilweise Alleingänge vor. Besonders hart fällt seine Kritik an der inhaltlichen Positionierung aus: „Mit der kommunikativen Linie, die Fachkräfteeinwanderung grundsätzlich zu begrüßen und gleichzeitig ausschließlich die illegale Migration einzudämmen, sind wir als Partei programmatisch und kommunikativ kaum von der CDU zu unterscheiden.“

Trotz aller Kritik kommt Fiß zu dem Schluss, die Kampagne sei „womöglich im Vergleich zu vorangegangenen Wahlkämpfen in diesem Landesverband die professionellste und modernste“ gewesen. Ein Wahlsieg mit Schönheitsfehlern – und ein internes Papier, das zeigt, wie tief der Streit in der Partei sitzt.

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