München – In vielen Bundesländern laufen derzeit noch Abiturprüfungen. Mancher Prüfling gerät da in Versuchung, sich unerlaubt helfen zu lassen. Früher waren das mal Spickzettel, heute droht Prüfungsbetrug mit Online-Technik. Simone Fleischmann (55), Präsidentin des Bayerischen Lehrerverbands, fordert deshalb: Störsender sollen bei jeder Prüfung den Datenverkehr lahmlegen, um das Schummeln mit KI-Pins und anderen Tricks zu verhindern.
In einem offenen Brief an Bayerns Kultusministerin Anna Stolz (43, Freie Wähler) schreibt sie: „Wir fordern Sie auf, einfach umsetzbare, technische Regelungen, beispielsweise zur Blockade des Datenverkehrs, zu finden, die nachhaltig KI-gestützten Unterschleif unterbinden!“ Denkbar seien auch Detektoren-Sensoren-Lösungen, die feststellen, ob Datenverkehr stattfindet, so Fleischmann zu BILD. Das Problem von KI-unterstützten Schummeleien bei der Abiturprüfung treibe „unsere Kolleginnen und Kollegen sehr stark“ um, so Fleischmann.
Und sie gibt zu: „Es gibt wesentlich versiertere, schlauere Möglichkeiten, die wir gar nicht mehr schnallen.“ Das weiß man auch im Kultusministerium in Bayern – weshalb die Schulen mit einer umfangreichen Liste vor Möglichkeiten des Betrugs bei Prüfungen gewarnt werden. BILD stellt die Liste vor:
Vorsicht vor smarten Brillen
Smart Glasses. Das sind Brillen mit kleinen Kameras, die Texte scannen und Lösungen auf das Glas projizieren können. Je nach Modell kosten sie zwischen 350 und 900 Euro. Empfehlung des Ministeriums gegen Prüfungsbetrug mit solchen Brillen: „Es sollte darauf geachtet werden, ob Schüler normalerweise eine Brille tragen und ob Bügel und der Rahmen der Brille eine ungewöhnliche Form haben.“
Scan-Stifte. Sie können durch eine kleine Kamera an der Spitze Texte erkennen, wenn sie darüber geführt werden. Eine Übersetzung kann KI im Hintergrund erledigen. Zur Übermittlung werden versteckte Kopfhörer benötigt.
Mini-Kopfhörer. Wenige Millimeter große Kopfhörer, sogenannte „Spy Earbuds“, können in Ohren so versteckt werden, dass sie von außen praktisch nicht zu sehen sind.
KI-Pins. Das sind kleine Anstecknadeln mit Kamera und Mikrofonen. Sie brauchen derzeit allerdings noch ein Handy, um effektiv bedient werden zu können.
Lehrer sehen auch nicht alles
Das alles zu kontrollieren, überfordere Lehrer, sagt Fleischmann. Ein Lehrer in einer Abiturprüfung könne bis zu 70 Schülern gegenüberstehen. „So ist es schlichtweg unmöglich, auf auffällige Augenbewegungen zu achten.“ Es sei auch nicht zumutbar, dass Lehrkräfte die Brustpartie von Schülerinnen in Augenschein nehmen, um beispielsweise KI-Pins zu entdecken.