Washington – Die Särge sind mit US-Flaggen bedeckt. Soldaten aus den Einheiten der Gefallenen tragen sie über das Rollfeld. Die Dover Air Force Base im Bundesstaat Delaware ist der traditionelle Ort der sogenannten würdevollen Rückkehr gefallener US-Soldaten. Eine Zeremonie in Stille – ohne Musik, ohne Reden. Für jeden US-Präsidenten gehören diese Momente zu den düstersten der Amtszeit.
Donald Trump (80) wird nun erneut auf dem Rollfeld erwartet. In den vergangenen Tagen starben bei der jüngsten Eskalation des Irankriegs drei weitere US-Soldaten: zwei in Jordanien, einer im Nordirak. Ein weiterer Angehöriger der Streitkräfte gilt als vermisst. Sterbliche Überreste wurden gefunden, aber noch nicht identifiziert. Die bisherige US-Opferbilanz des Iran-Konflikts insgesamt: 17 Tote.
Isabella (19) starb bei iranischem Angriff
Eine der Getöteten ist die Gefreite Isabella Gonzales aus Carrollton im Bundesstaat Texas. Sie war noch keine 20 Jahre alt, diente im 10. Kommando für Luft- und Raketenabwehr und war vor dem Krieg im deutschen Ansbach stationiert. Bei einem iranischen Raketen- und Drohnenangriff auf den US-Luftwaffenstützpunkt Muwaffaq Salti Air Base kam sie ums Leben. Ein Foto zeigt die junge Soldatin mit entschlossenem Blick vor einer US-Flagge. Auch ihr Kamerad Tyler James Feehan (†25) aus Ewa Beach auf Hawaii ist tot. Auf einem Foto in sozialen Medien posiert er lächelnd mit seiner Einheit.
Mit der wieder steigenden Zahl gefallener Soldaten wächst auch der politische Druck auf Trump. In einer ersten Reaktion würdigte er die Opfer: „Es ist eine sehr traurige Sache. Es geschah im Dienst für unser Land.“ Dann fügte er hinzu: „Wir werden niemals zulassen, dass der Iran eine Atomwaffe besitzt!“ Letzteres ist Trumps immer wiederkehrende Begründung für den Krieg. Doch bei den US-Bürgern bleibt der Waffengang unpopulär. Laut einer Umfrage von „Economist/YouGov“ halten 57 Prozent den militärischen Konflikt für die „falsche Entscheidung“.
Kriegsmüdigkeit in den USA wächst
Ein Grund: Der Oberkommandierende lieferte zunächst wechselnde Kriegsgründe, danach folgte ein Zickzackkurs zwischen Friedensdiplomatie und apokalyptischen Drohungen. Eine klare Strategie zur Beendigung des Nahostkriegs sei zudem nicht erkennbar, sagte US-Politik-Experte Jonathan Cristol zu BILD. Steigende Benzinpreise verstärken die Kriegsmüdigkeit an der Heimatfront. Nun kommen weitere Särge hinzu. „Dieser Krieg begann bereits unpopulär“, so Cristol weiter: „Berichte über getötete amerikanische Soldaten werden die Ablehnung in der Bevölkerung weiter verstärken!“
US-Politologe Scott Erb erwartet auch ein heftigeres Sperrfeuer seitens Trumps eigener Partei: „Der Druck auf Präsident Trump wächst, weil immer mehr Republikaner den Krieg kritischer sehen als zuvor“, sagt er zu BILD. Hinzu komme die Sorge, dass die USA ihre Vorräte an Raketen und Munition zu stark aufbrauchen. Trumps Falle, so der Experte: Mit den näher rückenden Kongresswahlen im November brauche Trump rasch „entweder einen klaren Sieg oder eine Vereinbarung“.