Kiama (Australien) – Was für eine Sensation! In einer kleinen Stadtbibliothek im australischen Küstenort Kiama ist jetzt ein Buch aufgetaucht, das vermutlich seit 150 Jahren überfällig war. Würde die Bücherei die Versäumnisgebühren eintreiben, käme eine astronomische Summe zusammen.
Der unglaubliche Fund in Australien gelang eher durch Zufall. Hausbesitzer Ross Simmons (77) entdeckte das verschollene Werk bei Renovierungsarbeiten. Das Buch lag versteckt in einer alten Teekiste hinter einem zugemauerten Kamin im Haus und hatte dort offenbar Generationen überdauert.
So hoch wäre die Rechnung
Es handelt sich um das Buch „The Antiquities of Athens“, gedruckt im Jahr 1858. Als die Bibliothek von Kiama 1872 eröffnete, wurde das Werk in den Bestand aufgenommen und erhielt die Inventarnummer 506. Irgendwann danach wurde das Buch verliehen.
Bibliotheksleiterin Michelle Hudson kann den Fund kaum fassen. Laut der Nachrichtenagentur AP sagte sie: „So etwas Altes haben wir noch nie zurückbekommen.“ Noch erstaunlicher ist die theoretische Rechnung: Nach den damaligen Regeln wurden pro Woche drei Pence Versäumnisgebühr fällig. Auf heutige Verhältnisse umgerechnet wären daraus mehr als 17.000 Euro geworden.
Wer hat das Buch ausgeliehen?
Wer das Buch einst auslieh, bleibt allerdings ein Rätsel. Die Ausleihregister aus den 1870er-Jahren sind längst verloren gegangen. Hudson bedauert: „Leider fehlt uns das entscheidende Bindeglied. Im Buch findet sich kein Hinweis auf den letzten Ausleiher.“
Finder Ross Simmons hat dennoch einen Verdacht. Er glaubt, dass sein Ururgroßvater John Simmons das Werk ausgeliehen haben könnte. Der Mann lebte damals in genau jenem Haus, in dem das Buch jetzt wieder ans Tageslicht kam.
Die kuriosen Regeln der Bibliothek
Kurios sind auch die Bibliotheksregeln aus dem Jahr 1872, die noch heute im Einband des Buches nachzulesen sind. Wer ein Buch verspätet zurückgab, durfte erst nach Begleichung der Gebühren ein neues ausleihen. Familien konnten bis zu drei Bücher erhalten, allerdings nur dann, wenn mindestens sechs Familienmitglieder lesen konnten.
Und noch eine Regel sorgt heute für Schmunzeln: Wer betrunken in die Bibliothek kam, bekam kein Buch. Für das wiederentdeckte Werk ist die Ausleih-Karriere nun endgültig beendet. Das Buch bekommt einen Ehrenplatz in der historischen Sammlung der Bibliothek. Bibliothekschefin Hudson sagt mit einem Lächeln: „Wir wollen nicht noch einmal 150 Jahre warten, bis es zurückkommt.“