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Zahlungsbetrug trifft fast jeden zweiten jungen Verbraucher

· Business

Wer in Deutschland online bezahlt, gerät immer öfter an Kriminelle – vor allem, wenn er jung ist. Jeder vierte Verbraucher ist in den vergangenen zwölf Monaten auf Zahlungsbetrug hereingefallen, unter den 16- bis 26-Jährigen der Generation Z hat es sogar beinahe jeden Zweiten erwischt. Das geht aus einer Studie der Finanztechnologie-Plattform Adyen hervor, die WELT exklusiv vorliegt.

Eine gute Nachricht gibt es dennoch: Die Beute der Betrüger schrumpft. Wer Opfer wurde, büßte im Schnitt 394 Euro ein – nur noch gut halb so viel wie ein Jahr zuvor, als der Durchschnittsschaden bei 763 Euro gelegen hatte. Für die Untersuchung, eine der größten ihrer Art, hat das britische Marktforschungsinstitut Censuswide im Mai 20.000 Verbraucher in zehn europäischen Ländern befragt, 2000 davon in Deutschland.

Doch die sinkende Schadenssumme erzählt nur die halbe Geschichte. Denn der Kreis der Geschädigten wächst: Vor einem Jahr gaben 23 Prozent der Verbraucher an, betroffen zu sein, inzwischen ist es ein Viertel. Die Täter erbeuten pro Fall also weniger – kommen dafür aber häufiger zum Zug.

Zwischen den Generationen klafft dabei eine bemerkenswerte Lücke. Während in der Generation Z 46 Prozent zuletzt Opfer von Zahlungsbetrug wurden und unter den Millennials immerhin 38 Prozent, bleibt die ältere Kundschaft weitgehend verschont: In der Generation X traf es 19 Prozent, unter den Babyboomern gerade einmal neun Prozent.

Beim Geld kehrt sich das Verhältnis allerdings um. Die Generation Z fällt zwar am häufigsten herein, kommt mit durchschnittlich 376 Euro aber noch vergleichsweise günstig davon. Babyboomer mussten dagegen im Schnitt 511 Euro abschreiben. Noch größer ist der Unterschied zwischen den Altersgruppen: Bei den 16- bis 19-Jährigen blieb der Schaden mit durchschnittlich 166 Euro überschaubar, bei den über 70-Jährigen summierte er sich auf 675 Euro – das Vierfache. Wer wenig hat, kann offenbar auch wenig verlieren; wer über Ersparnisse verfügt, ist für Betrüger die lohnendere Beute.

Andere Länder stärker betroffen

Auffällig ist auch der Abstand zwischen den Geschlechtern: Männern entgingen im Schnitt 461 Euro, Frauen 329 Euro. Im europäischen Vergleich stehen deutsche Verbraucher noch relativ gut da. Mit 394 Euro landet Deutschland unter den zehn untersuchten Ländern auf Rang sieben und bleibt damit unter dem Schnitt von 415 Euro. Am tiefsten greifen Betrüger den Polen in die Tasche, dort beträgt der Durchschnittsschaden 560 Euro, dahinter folgen Belgien mit 529 Euro und Tschechien mit 477 Euro. Am glimpflichsten kommen die Spanier mit 277 Euro davon.

Die Furcht vor Betrug hinterlässt unterdessen Spuren im Einkaufsverhalten. 19 Prozent der Befragten in Deutschland geben an, lieber im Laden einzukaufen, weil sie Online-Betrug fürchten – vor einem Jahr sagte das nur jeder Achte. Ausgerechnet die Generation Z, die das Einkaufen per Smartphone von klein auf kennt, kehrt damit besonders oft an die Ladenkasse zurück.

Im europäischen Vergleich wirken die Deutschen gleichwohl entspannt. Nur jeder Fünfte hierzulande misstraut digitalen Bezahlverfahren grundsätzlich, im europäischen Schnitt ist es fast jeder Dritte. Ähnlich beim Hinterlegen von Zahlungsdaten auf Smartphone oder Computer: Daran stören sich in Deutschland 17 Prozent, europaweit 24 Prozent.

Auch die Sorge, dass künstliche Intelligenz Betrügern in die Hände spielt, hat gegenüber dem Vorjahr etwas nachgelassen – verschwunden ist sie nicht. 22 Prozent der Befragten treibt das Thema um, unter den Babyboomern sind es 26 Prozent. Vor einem Jahr hatte Adyen noch eindringlich gewarnt: Mithilfe von KI verfassten Kriminelle fehlerfreie Phishing-Mails und kopierten ganze Marken-Webseiten.

Händler zunehmend unter Druck

„Wenn fast jeder zweite junge Verbraucher Erfahrungen mit Zahlungsbetrug macht, ist das längst kein Randphänomen mehr, sondern gelebter Alltag einer ganzen Generation“, sagt Hella Fuhrmann, Country Managerin DACH von Adyen. „Gleichzeitig zeigen die sinkenden Schadenssummen, dass bessere Schutzmechanismen wirken.“

Tatsächlich nehmen Verbraucher zusätzliche Sicherheitshürden offenbar bereitwillig in Kauf: 27 Prozent begrüßen es ausdrücklich, wenn Händler beim Bezahlen einen Identitätsnachweis per Zwei-Faktor-Authentifizierung verlangen. Gut jeder Fünfte gibt Zahlungen bereits per Fingerabdruck oder Gesichtserkennung frei.

Die Händler selbst stehen ebenfalls unter Beschuss. Knapp ein Viertel von ihnen registrierte im vergangenen Jahr mehr Betrugsversuche. Das Spektrum reicht von Cyberangriffen bis zu manipulierten Retouren. Ebenso beobachten viele Unternehmen, dass Kriminelle dabei verstärkt künstliche Intelligenz einsetzen, was bei gut jedem fünften Händler bereits die Kosten nach oben treibt.

Die Branche hält mit derselben Technik dagegen: Fast ein Drittel der Unternehmen nutzt inzwischen selbst KI, um verdächtige Transaktionen früh zu stoppen, weitere 37 Prozent wollen entsprechend investieren.

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit „Business Insider Deutschland“.

Thomas Heuzeroth ist Wirtschaftsredakteur in Berlin. Er berichtet über Verbraucher- und Technologiethemen, Unterhaltungselektronik und Telekommunikation.