Wirtschaft

Deutsche Bahn könnte 16 Städte vom Fernverkehrsnetz abkoppeln

Deutsche Bahn könnte 16 Städte vom Fernverkehrsnetz abkoppeln

Einem Medienbericht zufolge könnte der geplante Einstieg des italienischen Bahnunternehmens Italo in den deutschen Markt dazu führen, dass zahlreiche Städte vom Fernverkehrsnetz der Deutschen Bahn (DB) abgekoppelt werden. Das berichtet die „Bild“-Zeitung unter Berufung auf eine Untersuchung der Eisenbahngewerkschaft EVG, die der Zeitung vorliegt.

Demnach würde die DB wohl zunächst 16 Städte vom Fernverkehrsnetz nehmen, wenn gewinnbringende Trassen an Konkurrenten vergeben würden, darunter Aachen, Münster, Augsburg, Magdeburg und Rostock.

EVG-Chef Martin Burkert sagte der Zeitung: „Wenn Italo hier Rosinenpickerei betreiben darf und die Bahn von den Hauptstrecken verdrängt wird, zerlegt das unseren Fernverkehr. Städte werden abgehängt, Wege werden länger.“ Kunden müssten dann zukünftig erst mit den langsameren Regio-Zügen zu einem Bahnhof pendeln, an dem weiterhin Fernzüge abfahren.

Die der Studie nach betroffenen Städte im Überblick, samt der Zahl der aktuell täglich dort haltenden Fernzüge:

  • Aachen (16)
  • Augsburg (44)
  • Bamberg (35)
  • Chemnitz (4)
  • Cottbus (2)
  • Freiburg (45)
  • Ingolstadt (50)
  • Jena (4)
  • Magdeburg (30)
  • Münster (40)
  • Norddeich Mole (10)
  • Osnabrück (40)
  • Rostock (20)
  • Saarbrücken (8)
  • Schwerin (10)
  • Singen (20)
  • Trier (bislang eine geplante IC-Verbindung, die entfallen würde)

Die EVG hatte bereits Anfang Juni vor Nachteilen durch einen stärkeren Wettbewerb im Fernverkehr gewarnt. „Ich fürchte, dass Städte wie Singen, Trier, Schwerin, Cottbus oder Chemnitz nicht mehr angefahren werden, wenn der Wettbewerb nicht gesteuert wird“, sagte Burkert. „Hier können Anbieter kein Geld verdienen.“ Es brauche eine Steuerung bei der Trassenvergabe, und hier sei Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) in der Verantwortung.

„Die Deutsche Bahn muss sich dem Wettbewerb im Fernverkehr stellen, aber der Wettbewerb muss so organisiert sein, dass alle die gleichen Voraussetzungen haben“, ergänzte Burkert, der auch stellvertretender Aufsichtsratschef bei dem Staatskonzern ist. „Die Deutsche Bahn wird defizitäre Strecken nicht mehr ansteuern, wenn sie sich einem harten Wettbewerb stellen muss. Viele Bahn-Kunden müssen dann erstmal sehen, wie sie zum nächsten Fernverkehrshalt hinkommen, weil ihre Stadt gar nicht mehr angefahren wird.“

Die Politik müsse aber auch in der Fläche Mobilität garantieren. „Das ist Teil der Daseinsvorsorge.“ Burkert plädierte für Paketlösungen. „Wer auf der Strecke München-Berlin Kasse machen will, muss im Gegenzug auch Freiburg, Chemnitz oder Cottbus anfahren.“

Auch der Bundesverband SchienenNahverkehr warnte vor Nachteilen für Millionen Pendler. Mehr Fernverkehrszüge etwa von Italo seien eine Gefahr für das Angebot im Nahverkehr. Die Infrastrukturtochter der Deutschen Bahn – DB InfraGO – sei gefordert, die ihr eingeräumten Spielräume zum Schutz des Nahverkehrs zu nutzen. Bisher verweigere sie sich dem jedoch. Bei der Vergabe von Trassen bekämen Fernverkehrszüge meist Vorrang, weil mit ihnen höhere Entgelte erzielt werden könnten, was dann zu einer Verdrängung von Regionalanbietern führe.

Auch Trenitalia, eine Tochter der italienischen Staatsbahn FS, ist neben dem privaten Anbieter Italo an einer Expansion nach Deutschland interessiert. Laut DB InfraGO gibt es schon Wettbewerb, etwa durch Eurostar, FlixTrain und Westbahn. Allerdings kommt die Deutsche Bahn auf einen Marktanteil von rund 95 Prozent im deutschen Schienenpersonenfernverkehr.

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