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Berlin – Er ist Deutschlands bekanntester Debattierer: Der Bestseller-Autor und Philosoph Richard David Precht stürzt sich mit rhetorischer Wucht und starken Meinungen in die wichtigsten Debatten des Landes; oft stellt er sich gegen den Mainstream.

Jetzt übt Precht heftige Kritik an der Regierung und dem politischen System als Ganzes: Im RONZHEIMER-Podcast von Paul Ronzheimer warnt der Autor (u.a. „Auserzählt? Wie künstliche Intelligenz die Kultur abschafft“) vor dem Untergang Deutschlands, wie wir es kennen.

„Ich glaube, dass wir in 20 Jahren keine liberale Demokratie mehr sind“

Das sagte Richard David Precht über …

… Deutschlands Demokratie: „Wir reden heute über die liberale Demokratie, als könne es nur eine geben, und die muss genauso aussehen wie die liberale Demokratie der Bundesrepublik in der Gegenwart. Das ist eine Verkrustung mit Erstarrung und (...) eine Parallele zur DDR.“

… eine neue deutsche Diktatur: „Warum ich glaube, dass es sein kann, dass wir in 20 Jahren keine liberale Demokratie mehr sind: Weil die Zustimmung der Bevölkerungsmehrheit für eine liberale Demokratie, die keinen Wohlstand mehr produziert oder wo die Wohlstandsentwicklung rückläufig ist, verschwinden könnte. Ich glaube, die meisten Leute werden am Ende, auch wenn sie es vor sich selbst nicht zugeben, lieber in einer Wohlfühl-Diktatur leben, als in einer armen Demokratie.“

… vermeintliche Demokratie-Feinde: „Wir denken, unsere liberale Demokratie muss genauso bleiben, wie wir uns die vor 80 Jahren mithilfe der Alliierten mal ausgedacht haben, und darf in keiner Form an die veränderten Gegebenheiten des 21. Jahrhunderts angepasst werden – dann ist man ein Feind der liberalen Demokratie.“

Rentenreform ist „Schönheitschirurgie am krebskranken Patienten“

Besonders heftig rechnet Precht mit der großen Reform ab, die laut Regierung unser Rentensystem retten soll: „Diese Rentenreform, die ist Schönheitschirurgie am krebskranken Patienten.“

Precht meint die Debatte um die Abschaffung der sogenannten Rente mit 63. Er sieht eine KI-Welle auf den deutschen Arbeitsmarkt zurollen, Millionen Arbeitsplätze seien bedroht. Die Frage sei, wie Maschinen unser Rentensystem finanzieren könnten.

Über die Steuerbezuschussung der Rente sagt er:

„Wir haben einen enormen Mangelzustand eines dysfunktionalen Systems und versuchen, das jetzt noch ein paar Jahre länger zu strecken, statt sich zusammenzusetzen und zu überlegen: Wie können wir aus dem Umlagesystem aussteigen, und wie können wir ein System schaffen, das dem zweiten Maschinenzeitalter entspricht.“

Doch Deutschland sei für radikale Reformen nicht bereit, so Precht.

„Wenn Sie irgendwas in Deutschland anders machen wollen, dann kriegen Sie sofort massenhafte Empörung.“ Wer etwas wage, bekomme sofort „eine Million Feinde“ und werde „medial erschossen“.

Die Folge für Politiker: „Wenn Sie heute in der Politik Karriere machen wollen – und das ist noch krasser, als es immer schon war –, dann müssen Sie sehr, sehr angepasst sein.“

Precht vergleicht Deutschland mit der DDR

Die Kombination aus KI-Revolution und deutscher Trägheit führt Precht zu einem drastischen Vergleich.

„Wir verhalten uns inzwischen ähnlich wie die DDR in den 80ern“, so der Philosoph. Die DDR im Endstadium ließ „viele Leute unproduktiv arbeiten, weil man keine Arbeitslosen haben wollte“. Ähnlich sei es auch im heutigen Deutschland: „Wir haben über zwei Millionen Menschen allein, die in der kommunalen Verwaltung arbeiten.“

Obwohl viele dieser Tätigkeiten schon jetzt oder in wenigen Jahren von Künstlicher Intelligenz erledigt werden könnten, würden „die Gewerkschaften dafür sorgen, dass in den kommunalen Verwaltungen auch noch die nächsten zehn oder fünfzehn Jahre sehr, sehr, sehr viele Menschen beschäftigt bleiben“.

Es sei die Angst, die Deutschland davon abhalte, die Revolution mitzumachen: „Wir trauen uns nicht, diesen Prozess mitzumachen aus Angst vor den vielen Arbeitslosen, die dadurch entstehen.“