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Bonn – Ganz bittere Nachrichten kurz vor dem Start der Leichtathletik-EM (10. bis 16. August)! Deutschlands schnellster Sprinter Owen Ansah (25) droht eine lange Doping-Zwangspause – und das, obwohl er gar nicht positiv getestet wurde.

Die Nationale Anti-Doping Agentur Deutschland (Nada) hat das Verfahren gegen Deutschlands schnellsten Sprinter abgeschlossen. Das Ergebnis: Die Nada sieht einen Verstoß gegen die Anti-Doping-Bestimmungen, weil sich Ansah nach ihrer Bewertung geweigert beziehungsweise es unterlassen hat, eine Dopingprobe abzugeben. Das gab die Nada am Freitag in einer Pressemitteilung bekannt.

Die Anti-Doping-Agentur schlägt deshalb eine Sperre von vier Jahren vor. Wichtig: Noch ist Ansah nicht gesperrt, darf Stand jetzt an der EM teilnehmen. Akzeptiert der Sprinter vom Hamburger SV den Vorschlag, würde sich die Sperre automatisch auf drei Jahre reduzieren.

Was war passiert?

Ansah war kurzfristig als Nachrücker für das Diamond-League-Meeting in Monaco nominiert worden. Am 9. Juli, gegen 14.30 Uhr, klingelte nach seiner Darstellung ein Doping-Kontrolleur bei ihm – außerhalb seines vorgesehenen Zeitfensters.

Ansah wollte gerade zum Flughafen aufbrechen und erklärte später gegenüber dem DLV: „Ich war schon sehr spät dran und konnte so kurzfristig die Probe nicht abgeben, zumal ich kurz zuvor die Toilette besucht hatte.“

Nach Ansahs Darstellung wurde ihm nicht angeboten, dass der Kontrolleur ihn zum Flughafen begleitet, um dort die Probe abzugeben. Konsequenzen seien ihm ebenfalls nicht aufgezeigt worden. Der Kontrolleur habe ihm sogar noch viel Glück für Monaco gewünscht. Ansah flog anschließend zum Meeting und lief am 10. Juli die 100 Meter in 10,01 Sekunden auf Platz vier.

Verweigerte Kontrolle kann wie positive Probe gelten

Das Problem: Eine verweigerte Dopingkontrolle, aus welchen Gründen auch immer, kann vergleichbare Sanktionen wie eine positive Kontrolle zur Folge haben. Darüber soll Ansah auch aufgeklärt worden sein. BILD erfuhr, dass er von der Nada sogar schriftlich über die möglichen Konsequenzen informiert worden sein soll. Offenbar hat er selbst den Ernst der Lage aber dennoch nicht erkannt.

Zusätzlich schlägt die Nada vor, dass alle Ergebnisse ab dem 9. Juli bis zum Beginn einer vorläufigen Suspendierung oder einer Sperre aberkannt werden. Damit würde Ansah seine beiden deutschen Meistertitel über 100 und 200 Meter verlieren, die er Ende Juli in Bochum geholt hatte.

Der Sprinter hat nun 20 Tage Zeit, entweder die Feststellungen der Nada zu akzeptieren oder die Einleitung eines Disziplinarverfahrens beim Deutschen Sportschiedsgericht zu verlangen. Besonders bitter: Ansah gehört zum Aufgebot für die am Montag beginnende EM in Birmingham. Dort stehen am kommenden Dienstag die Vorläufe der 100 Meter auf dem Programm.