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Rom – Sie wollen päpstlicher sein als der Papst – und halten die Moderne für Teufelszeug: die Piusbrüder, Ultra-Traditionalisten, die allen Verboten und Warnungen aus dem Vatikan zum Trotz eigene Geistliche weihen. Für die Weihe von vier neuen Bischöfen am Mittwoch in Ecône (Westschweiz) gab es nur einen Tag später die Quittung und Höchststrafe der römisch-katholischen Kirche: die Exkommunikation, also den Ausschluss von den Sakramenten und der kirchlichen Gemeinschaft. Der maximale Vorwurf des Heiligen Stuhls: ein „schismatischer Akt“ – also ein Akt der Kirchenspaltung.

Der Kirchenknall hat eine Vorgeschichte von mehr als einem halben Jahrhundert: Den Piusbrüdern, die sich seit Mitte der 1970er-Jahre um den abtrünnigen Erzbischof Marcel Lefebvre (†1991) scharten, gingen die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965) viel zu weit. Dazu gehören Öffnungen für die Ökumene und den interreligiösen Dialog, vor allem aber die Reform der katholischen Liturgie: Ihr Gottesdienst-Ritus bleibt auf Latein, die sogenannte „Alte Messe“. Zu den Ritualen ihrer Bischofsweihe gehört das Verbinden von Stirn und Händen zum Empfang des geweihten Chrisamöls.

Piusbrüder schadeten einst Papst Benedikt

Jahrzehntelang gab es Versuche der Wiederannäherung und Versöhnung, vor allem unter Papst Benedikt XVI. (†95), der den alten Ritus wieder erlaubte und die damalige Exkommunikation von vier Pius-Bischöfen aufhob. Der Zeitpunkt warf einen üblen Schatten auf sein Pontifikat: Kurz zuvor hatte einer der vier Bischöfe in einem TV-Interview den Holocaust und die Existenz von Gaskammern geleugnet. Und weigerte sich, wenigstens im Nachhinein davon abzurücken. Eine tiefe Enttäuschung für Benedikt, der mediale Prügel für seinen Versuch der Versöhnung bezog. Nachfolger Franziskus (†88) fuhr einen Zickzack-Kurs, schränkte Zugeständnisse an die Piusbrüder am Ende wieder ein.

Zuletzt biss sich auch Papst Leo XIV. (70) an den Traditionalisten die Zähne aus, als er sie in einem letzten Appell um ein Einlenken bat. „Ich bitte euch und fordere euch von ganzem Herzen auf: Kehrt um!“, schrieb der Papst an den obersten Piusbruder, den Italiener Davide Pagliarani (56) und die beiden Pius-Bischöfe, den Spanier Alfonso de Galarreta (69) und den Schweizer Bernard Fellay (68).

Vergeblich: Am Mittwoch weihte die abtrünnige Bruderschaft in Ecône (Westschweiz) zwei Franzosen, einen US-Amerikaner und einen Schweizer zu neuen Bischöfen.

Damit verlieren die sechs Geistlichen all ihre kirchlichen Ämter und Würden. Sie können Sakramente nicht mehr spenden, aus Kirchensicht sind ihre Messen (die sie voraussichtlich weiter feiern werden) damit wertlos. Zugleich warnte der Vatikan die restlichen Mitglieder der Gemeinschaft davor, sich dem Schisma der abtrünnigen Bischöfe anzuschließen. Gemeint sind damit vor allem die rund 700 Priester der Sekte, denen ebenfalls die Exkommunikation droht.

„Tiefe Verletzung“

Unterstützung für die Entscheidung zur schweren Kirchenstrafe signalisierten bereits im Vorfeld mehrere Kirchenmänner. Der deutsche Kardinal Gerhard Müller (78), der selbst zum konservativen Lager zählt, sagte dem „Corriere della Sera“: „Der Papst muss sie exkommunizieren, die Exkommunikation ist automatisch.“ Die Piusbrüder seien fixiert und folgten ihrer Ideologie, ihr Einlenken sei von vornherein ausgeschlossen gewesen.

Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin (71), die Nummer zwei im Vatikan, sprach von einer „tiefen Verletzung“ der Kirche.