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Mainz – Die Macher der Satiresendung „Die Anstalt“ zerreißen die ZDF-Entscheidung, den Rapper Danger Dan (43) auszuladen – und das vor laufender Kamera, beim angezählten TV-Sender selbst. In ihrer Jubiläumssendung, die das ZDF am Samstagabend vorab im Stream bereitstellte, äußern sich die drei Moderatoren ausführlich zu dem Streit, teilweise unter großem Applaus des Studiopublikums. Gefeiert wurde die 100. Ausgabe der Sendung.

„Wir sind nicht das ZDF und wir teilen auch nicht die Einschätzung des ZDF“, sagt Moderator Max Uthoff (58). Seine Kollegin Maike Kühl (50) deutlich: „Wir sind im ZDF gegen das ZDF!“ Der Dritte im Moderatoren-Trio, Claus von Wagner (48), ergänzt: „Wir sind zwar die Leiter der ‚Anstalt‘, aber nicht die Leiter der Anstalt.“

Moderator nennt ZDF „mutlos“

Das ZDF hatte zuvor erklärt, dass der Text des Liedes „Keine Angst“ als Anleitung zum politischen Extremismus verstanden werden könne. Er propagiere Selbstjustiz und schließe rechtswidrige Taten und Gewalt nicht aus. Danger Dan und Starpianist Igor Levit seien nach Aussage der Moderatoren zwei Tage vor der Aufzeichnung wieder ausgeladen worden, weil sie gegen die Programmrichtlinien verstießen. Uthoff: „Wir hatten die Erlaubnis, ihn auftreten zu lassen. Dem ZDF lagen seit Wochen die Auszüge des Liedes vor. Ich frage mich, was sich in den Programmrichtlinien in den letzten drei Wochen geändert hat.“

Von Wagner: „Wir verstehen, dass man über den Song geteilter Meinung sein kann, aber wir empfinden die Entscheidung des ZDF in einer Zeit, in der rechtsextreme Gewalt in der Geschichte der Bundesrepublik mal wieder einen Höchststand erreicht hat, einfach als mutlos.“

Moderatoren diskutieren über Song-Passagen

Das Team las abwechselnd Passagen aus dem Song vor und kommentierte sie. Darunter auch eine Stelle, in der es darum geht, Namen von Rechtsextremen zu recherchieren und zu veröffentlichen. Das könne strafbar sein, so Uthoff.

In den letzten Zeilen des Liedes werden vier Vornamen genannt – identisch mit denen bekannter, teils verurteilter Linksextremisten. Konkret heißt es im Text: „Liebe Grüße an Lina, Gucci, Maja und Nanuk“. Damit dürften die linksextreme Hammerbanden-Terroristin Lina E. und drei ihrer Mitstreiter gemeint sein. Sie hatten unter anderem Mitglieder der rechtsradikalen Szene überfallen und sie mit Hämmern teils schwer verletzt.

Darüber habe das Team viel diskutiert. Man verurteile Gewalt. Die Frage sei aber, was passiere, wenn der Staat sein Gewaltmonopol nicht durchsetze und Menschen ungeschützt seien vor Nazis. Die Debatte sei wichtig und das Team hätte sich sehr gewünscht, dass Danger Dan hätte auftreten dürfen, um im Anschluss mit ihm darüber diskutieren zu können.

Schwarzer Flügel und Mikrofon stehen einsam da

Zuvor war nach einem Sketch ein schwarzer Flügel gezeigt worden. Auf diesen waren zwar Scheinwerfer gerichtet, es saß aber niemand an dem Instrument. Davor stand ein einsames Mikrofon. Dort sollten Danger Dan und Levit den Song präsentieren.

Das ZDF thematisierte den abgesagten Auftritt auch in einer „Aspekte“-Sendung am Samstagabend. Zahlreiche Experten wurden zu der Thematik befragt, die von verschiedenen Seiten beleuchtet wurde. Zu Wort kamen Juristen, Journalisten, Kabarettisten und Publizisten mit unterschiedlichen Einschätzungen. Der Sender hatte erklärt, dass der Text des Liedes als Anleitung zum politischen Extremismus verstanden werden könne, der Selbstjustiz propagiere und rechtswidrige Taten und Gewalt nicht ausschließe.

Der Leiter der ZDF-Hauptredaktion Show, Oliver Heidemann, unterstrich, man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Heidemann bedauerte, dass die Entscheidung lange gedauert habe – Kritik daran könne er verstehen.