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Hagenow (Mecklenburg-Vorpommern) – „Sind wir wirklich alle zu blöd gewesen?“ Diese Frage stellt eine Abiturientin in ihrer Rede bei der Abschlussfeier des Robert-Stock-Gymnasiums in Hagenow. 17 der 52 Schüler haben ihr Abitur nicht geschafft, eine Person wurde gar nicht erst zugelassen. Das macht eine amtliche Quote von 34 Prozent – rund jeder Dritte. Für die Abiturientin ist klar: Dieses Abi-Debakel haben nicht die Schüler verbockt, sondern Schule und Lehrer.

Fünf Minuten lang rechnet sie mit den Zuständen am Gymnasium ab. Sie spricht von ständigem Lehrerwechsel, behauptet, zwei Jahre lang habe es keinen vernünftigen Mathematikunterricht gegeben. Außerdem seien viele Lehrer seit Jahren nicht mit der Zeit gegangen. Statt neuer Konzepte gebe es „seit 20 Jahren“ dieselben Arbeitsblätter – obwohl sich Prüfungsstoff und Anforderungen längst verändert hätten.

Klar sei auch: Ein, zwei Schüler hätten es wohl ohnehin schwer gehabt mit dem Abi. Aber 17? Für die Rednerin kaum zu erklären. Viele der Durchgefallenen hätten über Jahre gute Leistungen gebracht. Jetzt stehen ihre Pläne plötzlich auf der Kippe: Mit dem Abi in der Tasche studieren? Das wird für viele nichts.

Erste Reihe tuschelt, hintere jubelt

Auch für Personalmangel an Schulen habe sie zwar „vollstes Verständnis“, sagt die Abiturientin. Dann wird es aber richtig heftig: „Aber wie kann es sein, dass völlig inkompetente Lehrer eingestellt werden, die dazu noch offensichtlich pädophile Aussagen tätigen, und niemand tut etwas dagegen?“ Auf den Vorwurf „pädophiler Aussagen“ geht sie danach nicht mehr ein.

Ganz alleine scheint die Schülerin mit ihrer Wut nicht zu sein. Nach den Vorwürfen brandet im Saal lauter Applaus auf. Als die Abiturientin schließlich ruft: „An die, die unserem Jahrgang die Durchfallquote gönnen – ganz ehrlich: Fickt euch einfach nur alle!“, jubeln und klatschen viele Zuschauer.

Warum fielen so viele durchs Abi?

Zum Vergleich: In Mecklenburg-Vorpommern fielen 2022 durchschnittlich rund vier Prozent der Prüflinge durchs Abitur. Auch bundesweit lag die Quote zuletzt bei etwa vier Prozent. Am Robert-Stock-Gymnasium in Hagenow sollen es nach Angaben der Abi-Rednerin in diesem Jahr 34 Prozent gewesen sein – mehr als achtmal so viele.

BILD hat beim Gymnasium und dem Bildungsministerium Mecklenburg-Vorpommern nachgefragt, wie es zu dieser auffällig hohen Zahl kommen konnte. Beide Antworten stehen noch aus.