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Hannover – Im fünften Pflichtspiel hat Hannover 96 mit einem 2:1 gegen Dynamo Dresden den ersten Sieg eingefahren. War das der Befreiungsschlag unter dem neuen Trainer Sandro Wagner (38)? Klub-Patron Martin Kind (82) hofft es sehr. „Die Mannschaft hat sich unter ihm kontinuierlich entwickelt. Sandro Wagner hat unser Vertrauen. Ziel ist es, den Klassenerhalt zu sichern“, sagt Kind im Gespräch mit SPORT BILD.

Das Vertrauen entzogen wurde dagegen Jonas Boldt (44). Einen Tag vor dem wichtigen Heimspiel gegen Dresden wurde er als Geschäftsführer Sport nach nur fünf Monaten freigestellt. Der Grund: der Absturz der Hannoveraner unter dem Ex‑Hamburger. Statt um den Aufstieg spielen die Niedersachsen gegen den Abstieg.

„Es war zum Schluss ein Irrtum“, sagt Kind über die Zusammenarbeit mit Boldt. „Wir haben ihn als Geschäftsführer Sport eingestellt, aber er hat sich gedanklich schon differenziert eingeordnet. Da begannen die ersten Missverständnisse.“ Boldt sah sich dauerhaft als CEO des Klubs. Er wollte den ganzen Verein nach vorn bringen, neue professionelle Strukturen schaffen und die Basis für eine dauerhafte Rückkehr in die Bundesliga legen.

Was ihm aus Sicht des Aufsichtsrats nicht gelang. Vor allem in seinem Kernbereich Sport habe Boldt die Erwartungen nicht erfüllt, so die Kontrolleure. Darum ging das einstimmige Ja bei der entscheidenden Sitzung des vierköpfigen Aufsichtsrats vergangenen Freitag gegen Boldt.

Zoff zwischen Boldt und Ex-Trainer Titz

„Es gab Transferentscheidungen, die waren nicht ganz stressfrei. Nach meiner Einschätzung, und das haben mir auch einige Fachleute bestätigt, ist unsere Mannschaft schwächer geworden“, sagt Kind.

Bei der Zusammenstellung des Kaders gab es Zoff zwischen Boldt und Christian Titz (55). Der Ex-Trainer hatte vergangenen Sommer übertriebene Wünsche bei Spielerverpflichtungen, die wirtschaftlich nicht umsetzbar waren. Boldt, der ein schlechtes Scouting bei 96 vorgefunden hatte, gelang es nicht, das Mittelfeld und den Angriff mit Top-Spielern zu verstärken.

Boldt geriet zusätzlich unter Druck, weil er den bei den Fans beliebten Titz im September – allerdings in Absprache mit dem mächtigen Aufsichtsrat – entließ und sein Wunsch-Nachfolger Wagner in seinen ersten vier Spielen nicht performte. Der Ex-Profi holte bis zum Dresden-­Spiel nur einen von neun möglichen Zählern, stürzte mit 96 in den Tabellenkeller ab und scheiterte zu Hause in der zweiten DFB-Pokalrunde gegen Kaiserslautern (0:2).

Das Fass zum Überlaufen brachte schließlich eine mehrtägige Urlaubsreise von Boldt in der Woche vor dem für alle Hannoveraner bedeutungsvollen Derby bei Eintracht Braunschweig. Er hatte sich dafür offiziell freigenommen und war bei einem Hyrox-Event (der Fitnesstrend wurde von Boldts Kumpel und Ex-Hockey-Star Moritz Fürste mitgegründet) auf einem Kreuzfahrtschiff im Mittelmeer dabei.

Boldt nutzte nach SPORT BILD-Info den Ausflug nicht nur für private Zwecke, sondern um sich auch mit wichtigen Personen aus der Fußball-Branche auszutauschen und Kontaktpflege zu betreiben. Dennoch ein No-Go für Kind. Er sagt: „Ein Geschäftsführer hat Vorbild zu sein, er sollte am meisten arbeiten – und nicht am meisten Freizeit haben.“

Kind und Boldt – das Verhältnis ist sehr beschädigt. Gesprochen haben beide zuletzt nicht mehr. Und werden sie wohl auch in ganz naher Zukunft nicht. „Nein, das glaube ich nicht“, sagt Kind und schiebt nach: „Für mich sind Ehrlichkeit und Vertrauen die Basis für eine Zusammenarbeit.“ Was er damit konkret meint, ließ Kind auf Nachfrage offen.

Dem Klub-Patron liegt 96 sehr am Herzen. Seit fast 30 Jahren unterstützt und führt er den Verein. Darum ärgert er sich, dass Hannover bundesweit verspottet wird und gegen den Absturz in die 3. Liga kämpft.

„Ein Abstieg wäre ein Drama“

„Das finde ich nicht toll, weil wir grundsätzlich eine sehr stabile Struktur entwickelt haben – und wir hätten vergangene Saison aufsteigen können, am Ende wurden wir leider nur Vierter“, wehrt sich Kind gegen den Vorwurf, Hannover sei ein Chaos-Klub.

Viel schlimmer für ihn ist aber die sportliche Situation. Kind: „Ein Abstieg wäre ein Drama. Das werde ich mit allen Mitteln verhindern, ich werde sehr konsequent eingreifen. Ein Abstieg ist immer noch teurer, als wenn wir in dieser Saison nochmals einiges an Geld in die Hand nehmen.“

Der Kader soll im Winter verstärkt werden. Auch wenn der Verein laut Kind durch die Trennungen von Titz und Boldt bereits „deutliche Mehrkosten“ habe. Beide bekommen vorerst weiter ihre Bezüge. Titz’ Vertrag endet offiziell am 30. Juni 2027, Boldts Kontrakt am 31. Mai 2029. Dazu soll ein neuer Sportdirektor kommen. „Wir brauchen einen Typen wie Marcus Mann.“ Der verließ vergangenen Winter 96 Richtung RB Salzburg – der Beginn einer unruhigen Zeit in Hannover.