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Nur noch vier Länderspiele bis zur Heim-WM (13. bis 31. 1. 2027)! Zwei davon stehen für die deutsche Handball-Nationalmannschaft in dieser Woche an: Donnerstag in Berlin (20.30 Uhr, ProSieben, Joyn und live bei Dyn/Anzeige) gegen Belgien, Sonntag (8.11., 18 Uhr) in der Slowakei. Seit Montag ist das DHB-Team in Berlin zusammen.

Für Juri Knorr (26) sind diese Tage besonders: Als einziger DHB-Profi spielt er im Ausland. Im SPORT BILD-Interview spricht er über die hohen Erwartungen vor der WM, seinen Wechsel von Aalborg nach Paris und seine Biografie.

SPORT BILD: Herr Knorr, worauf freuen Sie sich diese Woche am meisten?

Juri Knorr: Darauf, die Jungs wiederzusehen und ein paar Tage in Deutschland zu verbringen. Wir haben eine richtig gute Stimmung in der Mannschaft. Ich freue mich da­rauf, handballerisch auf dem aufzubauen, was wir in den vergangenen Jahren gemacht haben. Aber gerade das Zwischenmenschliche schätzt man mehr, wenn man im Ausland lebt.

Und wieder rund um die Uhr Deutsch zu sprechen und zu hören?

Ja, das ist eine willkommene Abwechslung.

Es sind nur noch vier Länderspiele und gefühlt zweieinhalb Wochen mit der Mannschaft vor der Heim-WM im Januar. Reicht das für das große Ziel?

Es muss reichen. Den anderen Mannschaften geht es genauso. Wir sind kein wild zusammengewürfelter Haufen, sondern kennen uns lange und spielen seit längerer Zeit in dieser Konstellation zusammen. Deshalb glaube ich, dass das okay ist.

Viele sprechen von einem möglichen WM-Finale zwischen Dänemark und Deutschland. Ist diese Erwartung positiv oder gefährlich?

Beides. Es ist eine große Anerkennung für unsere Leistung. Wir haben uns Respekt erarbeitet und werden als Top-Mannschaft wahrgenommen. Das ist cool, und darauf können wir stolz sein. Aber wir dürfen uns darauf nicht ausruhen. Jeder weiß, dass es viele Mannschaften gibt, die uns schlagen können, wenn wir nicht bei 100 Prozent sind. Wir sollten daraus Selbstvertrauen schöpfen und gleichzeitig mit beiden Füßen auf dem Boden bleiben.

Im September wurde Ihr Wechsel 2027 von Aalborg nach Paris offiziell. Ein Jahr vor Vertragsende. Das hat viele überrascht. Wie kam es dazu?

Ich hatte in Aalborg einen Dreijahresvertrag unterschrieben und habe mir nach der Saison Gedanken gemacht, wie ich meine Zukunft gestalten möchte. Gleichzeitig war das Interesse aus Paris da. Paris ist ein absoluter Weltklub, und ich wusste nicht, ob ich diese Chance noch einmal bekomme. Deshalb habe ich gesagt: Okay, ich mache das. Ich bin Aalborg sehr dankbar. Wir haben früh und offen kommuniziert und eine gute Lösung gefunden.

In Aalborg wollten Sie wieder Spaß haben, Ruhe finden und eine neue Herausforderung. Haben Sie das gefunden?

Beim Thema Ruhefinden weiß ich gar nicht mehr, ob ich das selbst so ausgesprochen habe oder ob sich das über die Medien verselbstständigt hat. Der Druck ist sogar höher, weil die Ziele bei Aalborg höher sind. Den Druck der deutschen Medien spüre ich weniger. Ich wusste, dass der Schritt ins Ausland schwierig wird. Mein erstes Jahr war zwischenmenschlich nicht einfach. Man sitzt in der Kabine und versteht kein Wort. Dazu war ich der einzige Nicht-Skandinavier. Deshalb bin ich froh, wie ich das gemeistert habe. Sportlich läuft es für uns momentan nicht perfekt, aber die Saison ist ja noch lang.

Bereuen Sie den Wechsel nach Dänemark?

Nein, überhaupt nicht. Die Sprache kann mir niemand mehr nehmen, außer mein Kopf vergisst sie irgendwann (lacht). Handballerisch habe ich extrem viel gelernt, vor allem taktisch und über den skandinavischen Handball. Damals in Barcelona, dann in Deutschland und jetzt in Dänemark: Ich lerne mega viel dazu. Dazu war es meine erste Erfahrung in einer Top-Mannschaft, die um die Meisterschaft und in der Champions League ganz vorn mitspielt. Ich bereue diese Entscheidung nicht, auch wenn ich verstehen kann, dass es von außen vielleicht anders aussieht.

Auch Renars Uscins wechselt 2027 nach Paris. Gibt es dort eine deutsche WG?

Wir haben mehr Kontakt als vorher. Ich freue mich, dass wir das gemeinsam erleben und uns gegenseitig unterstützen können. Ich glaube, er hat sich auch gefreut, dass er nicht allein nach Paris geht.

Kompletter Themen-Wechsel: Ihre Biografie ist jetzt erschienen. Warum lässt ein Profisportler mit 26 Jahren eine Biografie über sich schreiben?

Das möchte ich gleich klarstellen: Ich habe mit Frank Heike (Autor der Biografie; d. Red.) gesprochen, und wir hatten einen längeren Interviewtermin. Ansonsten habe ich mit dem Buch weder etwas zu tun, noch bin ich daran beteiligt. Er hat es geschrieben. Es ist sein Werk. Als mein Kinderbuch fast fertig war, fragte er mich, ob es für mich okay wäre, wenn er ein Buch über mich schreibt. Zunächst fand ich das eigenartig. Ich bin 26 Jahre alt, und da möchte jemand eine Biografie über mich schreiben. Ich habe gesagt: „Okay, ich stehe für ein längeres Interview bereit und kann Fakten überprüfen.“ Ansonsten ist es sein Buch. Aber ich denke, es ist ihm gut gelungen.

Gab es beim Lesen Geschichten, die Sie selbst überrascht haben?

Ich habe das Buch zum Faktenchecken gelesen. Aber es ist komisch, ein ganzes Buch über sich selbst zu lesen. Mir hat das ehrlich gesagt nicht so viel Spaß gemacht. Es macht persönlich sehr viel bei mir auf. Gleichzeitig ist es ein verrücktes Gefühl, dass sich jemand hinsetzt und ein Buch über mich schreibt. Das ist eine Ehre, und das weiß ich zu schätzen.

Sie haben selbst aber auch schon ein Buch geschrieben.

Richtig. Ich habe selbst das Kinderbuch „Sportstars erzählen: Mein Traum vom Handball“ geschrieben. Der Coppenrath Verlag hat mich damals für diese Reihe angefragt. Das hat mir Spaß gemacht.

Wie stark waren Sie am Kinderbuch beteiligt?

Ich habe es komplett selbst geschrieben. Ich hatte dazu eine super Lektorin, die mich unterstützt hat, da ich manchmal nicht ganz kindgerecht geschrieben habe.

Wie leicht fiel Ihnen das Schreiben?

Es war gut, jemanden zu haben, der noch einmal draufgeschaut hat. Aber es hat mir Spaß gemacht, in meine Kindheit und Jugend einzutauchen und darüber zu schreiben. Es ist ein Kinderbuch und kein literarisches Meisterwerk.