Berlin – Gerade erst will die Bundesregierung Gasheizungen wieder salonfähig machen. Jetzt kommt eine Studie zu einem ganz anderen Ergebnis. Forscher des Fraunhofer-Instituts gehen davon aus, dass viele Gasnetze in Deutschland bis spätestens 2045 stillgelegt werden könnten. Betroffen wären rund 24 Millionen Haushalte, die heute noch am Gasnetz hängen. Der Grund: Immer weniger Menschen dürften künftig mit Gas heizen. Für die verbleibenden Kunden könnte es teuer werden.
Brisant ist das auch wegen der Pläne von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (51, CDU): Deren Entwurf für das neue Gebäudemodernisierungsgesetz will Gas- und Ölheizungen weiter erlauben. Dafür sollen neue Anlagen ab 2029 schrittweise mit mehr Biogas, Bioöl oder Wasserstoff betrieben werden. Doch genau daran zweifeln die Fraunhofer-Forscher. Sie gehen davon aus, dass trotz der geplanten Beimischung von Biogas immer mehr Haushalte auf Wärmepumpen oder Wärmenetze umsteigen werden.
Die Folge: Die Zahl der Kunden im Gasnetz sinkt immer weiter, währen die Kosten für Betrieb und Wartung der Leitungen bestehen bleiben – und von immer weniger Verbrauchern bezahlt werden müssen. Nach Einschätzung der Forscher könnten die Gaspreise dadurch so stark steigen, dass sich der Betrieb vieler Netze nicht mehr lohnt.
Forscher warnen Hausbesitzer
Hinzu kommt aus Sicht der Forscher ein weiteres Problem: Biogas dürfte auf Dauer knapp und teuer bleiben. Genau deshalb rechnen die Autoren nicht damit, dass die neuen Vorgaben genügend Kunden im Gasnetz halten können. Die Folge wären weiter steigende Kosten für die Haushalte, die beim Gas bleiben. Für Eigentümer ist das besonders heikel. Eine neue Gasheizung läuft oft 20 bis 25 Jahre. Heißt: Wer heute noch eine einbauen lässt, könnte sie genau dann weiter nutzen wollen, wenn sich der Betrieb vieler Gasnetze laut Studie nicht mehr rechnet.