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Brasilia – Er wollte Präsident werden. Jetzt muss er seine Pässe abgeben! Nur einen Tag nach seiner Niederlage bei der Präsidentschaftswahl darf Flavio Bolsonaro (45) Brasilien nicht mehr verlassen. Alexandre de Moraes, Richter am Obersten Gerichtshof, ließ sämtliche brasilianischen Pässe des Senators annullieren, darunter auch seinen Diplomatenpass. Mögliche Pässe anderer Staaten muss Bolsonaro innerhalb von 24 Stunden abgeben.

Die Entscheidung fiel bereits am Sonntagabend, kurz nach der Wahl. Am Montag wurde Bolsonaro von der Bundespolizei darüber informiert. Brisant: Gegen den Sohn des früheren Präsidenten Jair Bolsonaro (71) wird wegen Geldwäsche-Verdachts ermittelt. Ebenfalls im Visier der Ermittler steht der mit Bolsonaro befreundete Anwalt Willer Tomaz. Die beiden dürfen nach der Anordnung von Moraes keinen Kontakt mehr miteinander haben. Beide erklären, keine Geschäftspartner zu sein. Das berichtet unter anderem das Nachrichtenportal „G1“.

Im Zentrum der Ermittlungen stehen demnach Unternehmen von Anwalt Willer Tomaz und das Geschäft mit Online-Sportwetten. Die brasilianische Bundespolizei stieß bei der Auswertung von Daten des Anwalts auf E-Mails, nach denen Bolsonaro als sogenannter „Master-User“ eines Bankkontos der Firma Alcazar Holdings eingetragen war. Diese gehört Tomaz. Laut Polizeibericht hätte Bolsonaro damit weitreichenden Zugriff auf das Konto gehabt. Im Mai 2025 soll Tomaz per E-Mail die Löschung dieses Zugangs veranlasst haben. Das allein beweist allerdings keine Geldwäsche. Die Ermittler prüfen, welche Rolle Bolsonaro tatsächlich spielte.

„Nie daran gedacht, das Land zu verlassen“

Der Senator selbst sieht hinter der Ausreisesperre einen Einschüchterungsversuch. Er sei am Montag gerade von einem Besuch bei seinem Vater gekommen, als ihn die Bundespolizei auf der Straße über die Entscheidung informiert habe. In einem anschließend veröffentlichten Video erklärte er: „Ich habe nie daran gedacht, das Land zu verlassen.“

Besonders die zeitliche Nähe zur Wahl hält er für politisch motiviert. „Diese Entscheidung wurde am Sonntagabend getroffen, direkt nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses“, sagte er. „Das war eine Entscheidung entsprechend dem Wahlergebnis. Eine politische Frage, so kann das nicht sein.“

Für Bolsonaro kommt die nächste politische Schlappe damit unmittelbar nach der ersten: Am Sonntag hatte er die Stichwahl gegen den linken Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva (80) verloren. Und auch unabhängig vom Verfahren um Tomaz beschäftigen sich die Ermittler mit ihm: Die Bundespolizei untersucht mögliche Straftaten im Zusammenhang mit der Finanzierung von „Dark Horse“, einem Film über seinen Vater Bolsonaro. Auch dort bestreitet Bolsonaro alle Vorwürfe.