TTS-Player überspringen↵Artikel weiterlesen

Berlin – Es ist kurz vor Mitternacht am Berliner Hackeschen Markt. Die Luft ist kühl, die Anspannung der vergangenen Stunden noch deutlich spürbar. Genau hier, wo vor kurzem noch Demonstranten, Randalierer und Polizisten aufeinanderprallten, herrscht jetzt eine fast surreale Ruhe.

Aus einem Pub drückt laute Musik auf die Straße. Partygäste sitzen draußen, trinken, singen und feiern friedlich – bei nur 9 Grad. Berlin-Idyll direkt neben dem Krawall-Brennpunkt. Dass hier alles ruhig bleibt, liegt wohl auch an den 50 bis 60 Polizisten, die nur wenige Meter weiter die Stellung halten. Mitten unter ihnen: Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (56, CSU)

„Die Welt ist nicht untergegangen“

Rund 20 bis 30 Beamte umringen den Minister am Samstagabend – doch nicht wegen eines Einsatzes. Dobrindt, wie so oft bei seinen Besuchen bei der Bundespolizei in eine dunkle Polizei-Uniformjacke gekleidet, sucht das direkte Gespräch mit Beamten einer Hundertschaft der Bundespolizei. Er will sich nach den bundesweiten Mammut-Protesten höchstpersönlich ein Bild von der Lage in der Hauptstadt machen.

An seiner Seite: Verfassungsschutz-Präsident Sinan Selen und Bundespolizeipräsident Dieter Romann. Die drei kommen direkt aus dem Krisenzentrum des Innenministeriums.

„Die Welt ist nicht untergegangen“, zieht der Berliner Einsatzführer vor dem Minister eine erste Bilanz. „Aber es war schon herausfordernd. Vor allem für die ganz jungen Kollegen, die heute zum ersten Mal im Einsatz waren.“ Das gelte ganz besonders für die weiblichen Einsatzkräfte. Doch das Wichtigste: Die Polizei hatte die Lage zu jedem Zeitpunkt fest im Griff. In Berlin blieb es am Ende relativ glimpflich – trotz aggressiver Störer gab es glücklicherweise nur wenige leicht verletzte Beamte.

Ehrenmünzen für Polizisten

Dobrindt hört aufmerksam zu. Man merkt dem Minister an, wie dankbar er den Männern und Frauen in Uniform für ihren harten Dienst in dieser Nacht ist. Und dann sorgt er für eine handfeste Überraschung mitten auf dem Gehweg: Dobrindt greift in die Tasche und verteilt vergoldete Coins des Bundesinnenministeriums.

Es sind exklusive Ehrenmünzen mit dem Bundesadler, die normalerweise nur Staatsgäste oder hochrangige Besucher aus dem In- und Ausland erhalten. Jetzt hält der Innenminister sie den erschöpften Einsatzkräften entgegen. Die Polizisten sind sichtlich gerührt, freuen sich über die unerwartete Anerkennung und das persönliche Geschenk des Ministers.

Doch damit nicht genug: Als sich Dobrindt kurz vor Mitternacht verabschiedet, dreht er sich noch einmal spontan zu den Beamten um. Mit einem Lächeln lädt er die gesamte Hundertschaft auf ein Bier ins Innenministerium ein – ein starkes Zeichen der Wertschätzung für die Truppe, die heute den Kopf für unsere Sicherheit hingehalten hat. „Kümmern Sie sich um einen Termin“ bittet er eine Mitarbeiterin.

Die Krawallnacht ist zwar noch nicht ganz vorbei und die Berliner Polizei bleibt im Stand-by-Modus – doch diese persönliche Geste des Ministers mitten in der Nacht wird den Beamten am Hackeschen Markt noch lange in Erinnerung bleiben – ebenso wie die Krawallnacht der Linken-Chaoten.