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Berlin – Unter jedem Dach ein Ach! Auch Caren Miosga (57) bleibt nicht von der Sorge verschont, die in Zeiten explodierender Pflegekosten immer mehr Familien um den Schlaf bringt: Was tun, wenn Mama und Papa es nicht mehr allein schaffen? Miosgas Eltern, 85 Jahre alt, wohnen in ihrem vor vielen Jahren selbst erbauten Haus. Ihr Problem wie bei so vielen anderen: Die Mutter wird bald pflegebedürftig sein, der Vater kann sie dann nicht versorgen, aber sie will auf keinen Fall in ein Heim. Schwere Aufgabe für Miosga und ihre zwei Schwestern. Einen Promi-Bonus kennt die Krankheit nicht. Zukunft ungewiss.

Jetzt hat Miosga über sich und andere Betroffene eine ARD-Doku gedreht: „Und wer fragt nach mir? Pflegende Angehörige am Rande der Erschöpfung“. Nach der Ausstrahlung kam sie zu Louis Klamroth (36) in die Sendung. Seine erste Frage: „Du beschäftigst dich ja nicht nur als Journalistin mit dem Thema, sondern auch als Tochter. Deine Mutter wird bald pflegebedürftig. Wie sehr ist das im Hinterkopf, wenn man so eine Doku macht?“ Miosgas Antwort: „Die ganze Zeit! Es hat mich nicht nur motiviert, die Doku zu drehen. Es hat mich die ganze Zeit begleitet, und ich habe auch etwas gelernt.“

Miosga: „Viele schämen sich“

Die wichtigste Erkenntnis der Talkmasterin über die Angehörigen Pflegebedürftiger: „Überall, aus jeder Pore, kommt Überforderung. Die müssen plötzlich Dinge tun, für die sie nicht ausgebildet und auf die sie nicht vorbereitet sind. Dazu kommt, dass man plötzlich eine andere Ebene hat, wenn man Ehepartner pflegen muss. Das waren gleichberechtigte Menschen, und wenn dann einer in eine völlige Abhängigkeit gerät, kommt auch die Beziehung in ein totales Ungleichgewicht. Viele schämen sich, welche Wut da rauskommen kann, welche Aggressionen sich da aufbauen müssen. Und das ist Alltag! Wir wissen es nur nicht, weil es hinter verschlossenen Türen stattfindet.“

Betroffene: „Mir platzt gleich der Kragen“

Das bedrückendste Beispiel lieferte Talk-Gast Yvonne Lisse, Ehefrau eines demenzkranken Ex-SEK-Polizisten: „Mir platzt gleich der Kragen!“, wetterte sie über das geplante Pflegeneuordnungsgesetz. „Da sind wirklich nur Kürzungen! Das heißt, ich werde ab nächstem Jahr überhaupt keine Freizeit mehr haben. Ich kann meinen Mann nicht allein lassen. Ich kann nicht zum Arzt gehen. Ich kann noch nicht mal abends zum Yoga gehen oder irgendwas Entspannendes machen. Ich bin sozial isoliert, weil, keiner will mit so einem Kranken zu tun haben. Die letzten zwei Jahre waren sehr herausfordernd. Ich habe meinen Mann angebrüllt und mich hinterher mega dafür geschämt.“

Virologe Hendrik Streeck (49, CDU) aus dem Expertenrat der Bundesregierung hat einst seinen Vater gepflegt und sagte jetzt zu dem Kabinettsentwurf: „Es ist ein Spargesetz. Die richtigen Reformen sollen ja erst noch kommen.“ Aber: „Wir sehen, dass es schwerer gemacht wurde für die pflegenden Angehörigen. Die Gelder reichen nicht, dass jemand mal in Urlaub gehen oder eine Auszeit nehmen kann. Darüber wird es im parlamentarischen Verfahren noch sehr viele Diskussionen geben.“