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Jerusalem/Berlin – Apokalyptische Warnung kurz vor dem Urnengang! Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu greift im Wahlkampf zu einer drastischen Inszenierung in den sozialen Medien. Nur zwei Tage vor der Parlamentswahl warnt er vor den verheerenden Folgen einer Stimme für die Opposition. Wer einen Politiker wähle, der den Einsatz gegen den Iran nicht zu Ende bringen könne, bringe sich und seine Familie in Gefahr – bis hin zu einem „zweiten Holocaust“.

Die schockierende und auch bizarre Botschaft, die der israelischen Bevölkerung vor allem Angst bereiten soll, verbreitete Netanjahu über seinen X-Account. Dazu: das KI-generierte Bild eines gewaltigen Atompilzes über einer Großstadt wie Tel Aviv.

Die „Times of Israel“ merkte an, dass Netanjahu seit Monaten behauptet hatte, das iranische Atomprogramm ausgeschaltet zu haben. Dies stehe im klaren Widerspruch zur neu geschürten Angst … Seit Wochen verspricht er aber, dass er in der verbliebenen Amtszeit von US-Präsident Donald Trump (80) das Mullah-Regime stürzen werde. Seine Gegner sprechen vor allem darüber, dass er Verantwortung für den 7. Oktober 2023 trage.

Netanjahu will Iran zum größten Thema machen

In dem von Netanjahu geteilten Beitrag des rechtsgerichteten Kommentators Yuval Blumberg heißt es, Israel blieben nur noch die zwei verbleibenden Amtsjahre von US-Präsident Donald Trump (80), um seine Existenz dauerhaft zu sichern. Die Forderung: „Alle nötigen staatlichen Ressourcen müssen in diese Mission investiert werden.“

Andere politische Debatten, in denen Netanjahus Amtsführung infrage gestellt wird, seien lediglich eine riesige Nebelwand, die vom eigentlichen Problem ablenken solle. Die krasse Botschaft: Wenn zwei Atombomben mitten im Land einschlügen, interessiere sich niemand mehr für die übrigen politischen Auseinandersetzungen.

Auch an künftige Generationen richtet sich der Appell: Sie würden es Israel nicht verzeihen, wenn das Land seine historische Chance verpasse, die wichtigste Aufgabe dieser Generation zu vollenden. Heißt: Das Mullah-Regime zu zerstören. Fakt ist: Netanjahu setzt im Wahlkampf stark auf das Thema Sicherheit und verweist dabei insbesondere auf den im Februar gemeinsam mit den USA begonnenen Krieg gegen den Iran.

Scharfer Gegenangriff: „Lügen und Panikmache“

Doch Netanjahus schärfster Konkurrent schlägt zurück! Gadi Eisenkot (66), ehemaliger Generalstabschef der israelischen Armee und Vorsitzender der Partei Jaschar, bezeichnete den Regierungschef in einem Beitrag auf X als hysterisch. Sein Vorwurf: Netanjahu greife wie in jedem Wahlkampf auf die altbekannte Methode aus „Lügen und Panikmache“ zurück. Diesmal gehe es sogar um die Drohung mit Massenvernichtung.

Eisenkot attackierte Netanjahu zudem wegen seiner Kriegsziele. Das Versprechen eines „totalen Sieges“ über den Iran habe der Regierungschef gebrochen. Damit habe er seine eigenen Ziele verfehlt. „Du hast versagt“, schreibt Eisenkot. „Und in zwei Tagen wird das israelische Volk dir das in der Wahlkabine zeigen“, so der Netanjahu-Gegner weiter.

Auch der Vorsitzende der Demokraten, Yair Golan, reagierte auf X: „Ich fordere, dass man ihn von sozialen Medien fernhält. Er und sein Umfeld haben völlig den Bezug zur Realität verloren. Der Druck wächst.“ Und weiter: „Am Dienstag werden wir diejenigen ablösen, die Panik schüren, und für Sicherheit und Vernunft in Israel sorgen.“

Quasi zeitlich warnte Netanjahu am Sonntag zudem den Iran vor Angriffen zur Störung des Urnengangs am Dienstag und drohte Teheran massive Vergeltung an. Es lägen angeblich Geheimdiensthinweise vor, dass der Iran und seine Verbündeten mit Angriffen versuchen könnten, die Wahl zu stören, sagte Netanjahu in einer von seinem Büro veröffentlichten Videobotschaft.

Fakt ist: Israel ist gespaltener denn je, seine Gesellschaft seit dem 7. Oktober 2023 traumatisiert. Am Freitagabend bestätigten letzte Umfragen die Prognosen seit Beginn des Wahlkampfs: Zwischen Netanjahu (Likud) und Eisenkot (Jaschar) werden voraussichtlich nur wenige Sitze liegen – vermutlich zugunsten Eisenkots. Das erklärt wohl diese Last-Minute-Panikmache, getrieben von der eigenen Angst vor dem Machtverlust.