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Als Cazotte die Französische Revolution prophezeite

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Schon mit 23 hatte sich Jacques Cazotte einen Namen gemacht – mit Feenmärchen à la Wieland, Parodien auf „Tausenundeine Nacht“ unter dem Titel „Tausendundein Geschwätz“. 30 Jahre später, 1772, erschien sein Bestseller „Le diable amoureux“ (Der verliebte Teufel), der als erster fantastischer Roman der französischen Literatur Furore machte. Ein junger Spanier wird in Italien von Beelzebub in Gestalt einer wunderschönen Frau verführt. Um sich vor dem Dämon zu retten, eilt er nach Spanien in die Arme seiner Mutter. Nicht nur die Psychoanalyse kann hier fündig werden. E.T.A. Hoffmann ließ sich davon für seine Erzählung „Elementargeister“ anregen.

Cazottes Name ist heute jedoch aus einem anderen Grund nicht ganz vergessen. Als Gegner der Französischen Revolution und zeitweise Anhänger einer monarchistisch-mystischen Sekte sah er in den Ereignissen die Apokalypse. Satan konnte man nur widerstehen mit der Rückkehr zur Mutter, d. h. zur Religion und Monarchie. In diesen Kontext gehört die Episode, die Cazotte bis ins 20. Jahrhundert zum Gesprächsthema machte. Auch sie hat etwas von einer Gruselgeschichte.

Abends, im Salon, verstummt das Lachen

Im Jahre 1788 haben sich im Salon der Herzogin von Grammont berühmte Gestalten der Aufklärung und des Adels versammelt, darunter der Voltairianer La Harpe, der Mathematiker Condorcet und der geistreiche Chamfort. Man ist heiterer Laune, in Vorfreude auf die Revolution. Doch wie man so spaßt und schwätzt, bemerkt man in der Ecke einen Grübler, der nichts sagen will. Es ist der Autor des „Verliebten Teufel“. Man zieht ihn auf, will wissen, was er denn von der Revolution halte. Und nun beginnt er mit Weissagungen, was mit jedem der hier Anwesenden in der Revolution geschehen werde.

Condorcet werde sich in einem unterirdischen Gefängnis vergiften, um den Henkern zu entgehen. Etliche enden auf dem Schafott, und auch die Damen werden auf dem Schinderkarren zur Guillotine gefahren. Nur der französische König werde einen Beichtvater bekommen. Und La Harpe, dieser Spötter? Der werde ein frommer Christ werden. Großes Gelächter zuerst, doch nach und nach ebbt es ab, die heitere Gesellschaft überzieht etwas Frostiges. Und Ihr, fragt man Cazotte, was wird mit Euch geschehen? Ja, auch er werde hingerichtet.

„Le souper de Cazotte“ beunruhigte noch lange die Geister. Goethes Freund Jung-Stilling bekräftigte die Wahrheit der prophetischen Episode in seiner „Theorie der Geister-Kunde“ (1808), aber konnte sich nur auf Hörensagen berufen. Gérard de Nerval widmete Cazotte eine kleine Biografie in seinem Buch über die Illuminaten. Flauberts Bouvard und Pécuchet kennen ihn. Noch in den 1880ern war Cazottes Hellseherei ein Thema, so in den Gesprächen, die Nietzsche mit einer Feministin in Sils-Maria hatte. Alexander Lernet-Holenia fabulierte weiter an der unheimlichen Episode in seiner Erzählung „Der Herr von Paris“ (1935).

Die Sache hat nur mehrere Haken. Die Weissagungen sind zu präzise, denn alles wird genauso eintreten. Doch Hellsehen ist immer nur ein Heller-Sehen, ein Blick durch trübe Gläser. Hier aber fehlen die Ambivalenzen und Ungenauigkeiten eines Nostradamus oder einer Baba Wanga. Bitte, gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu interpretieren! Es war der fromm gewordene La Harpe, der den Bericht über dieses bemerkenswerte Souper Jahre nach der Revolution niederschrieb und damit möglicherweise die Macht der Religion beweisen wollte. Der Monarchist Cazotte aber wurde wegen verschwörerischer Umtriebe verhaftet. Am 25. September 1792 endete sein Leben unter der Guillotine.

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