Wolfhagen (Hessen) – Stolz präsentieren die Zwillinge Mostafa und Yosof (6) ihre neuen Schulranzen, halten sich dabei liebevoll an der Hand. Verschmitzt grinsen die frisch gebackenen Erstklässler in die Kamera ihrer überglücklichen Mama Hyam Alnaeem (29).

Doch nur wenige Tage später das Entführungsdrama in Wolfhagen: Abdul Rahman Tnesh (43), der Vater der Kinder, brachte die Jungs nach einem gerichtlich gestatteten Besuchskontakt Ende August nicht mehr zurück. Bis heute fehlt von ihnen jede Spur.

Der schlimme Verdacht von Polizei und Mutter Hyam: Der Deutsch-Syrer könnte die Zwillinge im Ausland versteckt halten.

Hyam Alnaeem und der Kindsvater leben seit mehreren Jahren getrennt, die Scheidung läuft. Die Syrerin hat das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht. In der arrangierten Ehe soll es auch Gewalt gegeben haben. „Ich wollte ihn nicht heiraten, aber in Syrien haben Frauen keine Meinung und keine Freiheit.“

Erst vor einem Monat zog Hyam mit ihren Söhnen von Hesborn (NRW) ins 60 Kilometer entfernte Wolfhagen in Hessen: „Ich habe hier eine Stelle als Zahntechnikerin in einem Dentallabor gefunden.“ Ein weiterer Schritt, um ein selbstbestimmtes Leben zu führen. „In Deutschland fühle ich mich wohl und kann viel machen. Hier bin ich ein Mensch mit Würde“, so die junge Mutter.

„Tschüss, Mami“ waren die letzten Worte der Zwillinge

Hyam erinnert sich an den 31. August 2024: „Es war ein Samstag. Der Vater der Kinder und meine Schwiegermutter standen um 8 Uhr vor der Tür. Er wirkte komisch, lief draußen hin und her, telefonierte dabei.“

Die Mutter erklärte Mostafa und Yosof, dass sie den Tag bei ihrem Vater verbringen würden. „Die Kinder sagten mir, dass sie nicht zu Abdul wollen. ‚Papa‘ sagen sie nicht, sondern nennen ihn beim Vornamen. Sie mögen ihn nicht.“ Am Ende willigten die Kids dem Besuchstermin zähneknirschend ein. Die Jungs riefen noch „Tschüss, Mami“. Das letzte Lebenszeichen.

Vater entführte Söhne schon mal

Bereits 2020, da waren die Zwillinge zwei Jahre alt, habe Abdul Rahman Tnesh die Kinder nach Syrien entführt. „Ich habe damals alleine gekämpft und nach zehn Monaten konnte ich mit meinen Kindern endlich wieder in dieses friedliche Land (Deutschland, d. Red.) zurückkehren“, sagt Hyam.

Männer beschimpfen Zwillings-Mutter

„Mein Herz ist gebrochen, das freut radikale Männer. Einige von ihnen sagen, dass ich durch die Freiheit in Deutschland meine Kinder verloren hätte und keine gute Mutter sei, weil ich mit dem Vater nicht zusammenlebe“, erzählt Hyam. Die junge Frau schlafe kaum, lenke sich durch die Arbeit ab: „Ich denke ständig an die beiden und frage mich: ‚Wo sind meine Kinder? Wurden sie getrennt?‘ Ich denke an Mostafas Lächeln und Yosofs wunderschöne Augen. Die Zwillinge haben ein sehr inniges Verhältnis.“

Hyam geht davon aus, dass ihr Noch-Mann die Kinder aktuell in Griechenland, Ungarn oder Bulgarien festhalten könnte, um von dort aus in die Türkei und schließlich nach Syrien zu gelangen. „Ich bin eine starke Frau, die ihre Kinder niemals vergessen wird. Ich kämpfe, bis ich meine Zwillinge wieder in die Arme schließen kann!“

Hinweise an das Polizei Nordhessen unter: 0561/9100.