Rosenheim – Seit Samstag treffen die heftigen Unwetter auch den Süden Bayerns. Besonders betroffen: die Region um Rosenheim und die Ortschaft Oberkaltbrunn. Schon zum zweiten Mal in nur vier Monaten wurde das 60-Einwohner-Dorf von Wassermassen verschluckt!

Die Bäche Kalten und Engergraben traten über die Ufer, fluteten das gesamte Dorf sowie Felder und Wiesen. Aus der Luft war das Ausmaß der Katastrophe deutlich zu sehen: Das Dorf – beinahe komplett von den Wassermassen verschluckt.

Einer der betroffenen Anwohner ist Stefan Weidinger (37). Der Familienvater lebt seit seiner Kindheit mit Eltern und Schwester in einem Wohnhaus neben dem Engergraben „Ein Bächlein mit 50 Zentimeter Wasser normalerweise“, sagt Weidinger zu BILD.

Doch am Samstag stieg der Pegel immer weiter. „Wir hatten die Lage im Blick, haben unsere Autos in Sicherheit gebracht“, sagt er weiter. Dann habe die Feuerwehr Sandsäcke angekarrt, alle hätten mit angepackt und den Eingang sowie den hinteren Bereich des Hauses gesichert.

Acht Stunden Nervenkrieg

Gegen 16 Uhr traten die Bäche über die Ufer, fluteten vorwiegend Wiesen und landwirtschaftliche Flächen. Acht Stunden lang stieg der Pegel, das Wasser kam bis zu den Treppenstufen.

Um Mitternacht war klar: Mit 2,79 Meter war der Höchststand erreicht. „Es war wieder eine absolute nervliche Belastung, vor allem für meinen Vater“, erzählt Weidinger.

Erst vor vier Monaten hatte der Engergraben beim Juni-Hochwasser den kleinen Ort geflutet. Höchststand damals: 3,40 Meter! „Erst vor vier Wochen haben wir die letzten Bautrockner abgebaut, jetzt ist wieder alles nass, allerdings nicht ganz so schlimm“, gibt Weidinger eine erste Einschätzung.

Es ist das vierte Hochwasser, das die Familie erleben muss. „Wir leben an einem Bach, da muss man damit rechnen.“ Auch wenn ihnen die Versicherung gekündigt hat, Wegziehen ist für die Weidingers keine Option. „Das ist unser Familienidyll, wir bleiben hier“, sagen sie.