Deutsch

USA und Iran ringen um Kontrolle über Straße von Hormus

Bei den Friedensverhandlungen
zum Irankrieg
ringen die USA und der Iran um Kontrolle über die für den
weltweiten Ölhandel kritische Straße von Hormus. Das US-Militär teilte am Abend
mit, zwei Kriegsschiffe hätten die seit Wochen vom Iran blockierte Meerenge
passiert, um eine Minenräumaktion zu beginnen. Der Iran dementierte die
Angaben. „Die Entscheidung über die Durchfahrt von welchem Schiff auch immer
liegt bei den Streitkräften der Islamischen Republik des Iran“, sagte ein
iranischer Armeesprecher nach Angaben des Staatsfernsehens.

Die Verhandlungen über einen Frieden im Iran sind unter anderem wegen der Straße von Hormus ins Stocken geraten. Unterhändler beider Seiten tagten unter Vermittlung
von Pakistan in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad bis weit nach Mitternacht. Am Sonntag sollen die Gespräche weitergehen, berichten iranische Staatsmedien.

Straße von Hormus ist ein zentraler Streitpunkt

Iranische Medien hatten zuvor über große Differenzen zwischen dem Iran und den USA berichtet. Die Nachrichtenagenturen Tasnim und
Fars sprachen von „überzogenen Forderungen“ der US-Seite. Konkret wurde die Straße von Hormus als zentraler Streitpunkt genannt.
Der Fortschritt der Verhandlungen sei damit aus iranischer Sicht
behindert worden.

Laut der Agentur Tasnim besteht die iranische Delegation auf der „Wahrung der
militärischen Errungenschaften“, eine mögliche Anspielung auf das
Raketenprogramm der Islamischen Republik. Den größten Streit soll es jedoch zur Straße von Hormus
geben, schreiben sowohl Tasnim als auch Fars.

Trump sagt, ein Deal mit dem Iran spiele für ihn „keine Rolle“

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, der nicht an den Friedensverhandlungen teilnimmt, behauptete am Samstag in einer Fernsehansprache, das iranische Raketenprogramm sei inzwischen zerstört. „Es ist uns gelungen, Irans Atomprogramm und sein Raketenprogramm zu zerschlagen“, sagte Netanjahu.

US-Präsident Donald Trump wiederum spielte die Bedeutung der Iranverhandlungen am Abend herunter. Ob es einen Deal gebe oder nicht, mache für ihn keinen Unterschied,
sagte Trump zu Reportern vor dem Weißen Haus. „Schauen wir, was
passiert – vielleicht schließen sie einen Deal, vielleicht auch nicht“,
sagte Trump. „Es spielt keine Rolle, aus Amerikas Sicht gewinnen wir.“

Iran warnt US-Kriegsschiffe vor Durchfahrt

Unklar ist, inwieweit die Straße von Hormus wieder befahrbar ist. Die iranische Revolutionsgarde hat iranischen Medien zufolge angekündigt, es sei nur nicht militärischen Schiffen erlaubt, die Meerenge zu
durchfahren. Die Erlaubnis gelte zudem nur unter ​spezifischen
Bedingungen. Auf jeden Versuch, die Wasserstraße mit einem
Kriegsschiff zu durchfahren, werde der Iran eine „starke
Antwort“ geben.

Die Stellungnahme bezieht sich auch auf einen Versuch der USA, die Straße von Hormus aus eigener Kraft zu öffnen. US-Präsident Donald Trump
hatte am Samstagnachmittag mitgeteilt, die USA hätten mit dem „Prozess zur
Freigabe der Straße von Hormus“ begonnen. In seinem Onlinedienst Truth
Social schrieb er: „Wir beginnen jetzt den Prozess, die Straße von Hormus
freizuräumen, als Gefälligkeit für Länder auf der ganzen Welt, einschließlich
China, Japan, Südkorea, Frankreich, Deutschland und viele andere.“

Laut dem US-Militärkommando
Centcom haben zwei US-Kriegsschiffe die Meerenge bereits durchfahren. Sie seien
Teil einer Mission, mit der die Wasserstraße von Seeminen befreit werden solle. Die Minen seien von der
iranischen Revolutionsgarde gelegt worden. Iranische
Staatsmedien meldeten dagegen, dass ein US-Militärschiff beim Versuch, die
Meerenge zu durchqueren, zur Umkehr gezwungen worden sei. Auch der iranische Armeesprecher
Ebrahim Zolfaghari widersprach. Die Angaben des US-Militärs würden „scharf
zurückgewiesen“, sagte er nach Angaben des Staatsfernsehens.

Katar will Seeschifffahrt in vollem Umfang aufnehmen

Schifffahrtsdaten
des Dienstes LSEG zufolge haben erstmals seit der Feuerpause zwischen den USA
und dem Iran drei Supertanker die Straße von Hormus passiert. Dabei handle es
sich um die unter liberianischer Flagge fahrende sowie die
chinesischen Schiffe und .

Der Ölstaat Katar
teilte mit, er nehme seine Seeschifffahrt ab Sonntag, 6 Uhr, wieder in vollem
Umfang auf. Der Beschluss soll demnach auf „alle Kategorien von
Schiffen und Transportmitteln auf See“ ausgeweitet werden. Es war unklar,
ob die Entscheidung bedeutet, dass katarische Schiffe auch die Straße von Hormus
wieder passieren dürfen.

Seit Beginn des
Irankriegs Ende Februar ist die Straße von Hormus weitgehend gesperrt. Das iranische
Militär droht, Schiffe beim Durchfahrtsversuch anzugreifen. Mehrere Tanker wurden
bereits attackiert und standen in Flammen. Durch die Wasserstraße wird rund ein
Fünftel des weltweiten Öls und Flüssiggases transportiert. Zudem beschoss der Iran
Ölanlagen in mehreren Ländern der Golfregion. In der Folge stiegen die Ölpreise
weltweit auf mehr als 100 US-Dollar je Barrel.

Mehr lesen