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USA kündigen Abzug von 5.000 Soldaten aus Deutschland an

US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat seinem Ministerium zufolge den Abzug von 5.000 Soldaten aus Deutschland angekündigt. Der Abzug solle innerhalb der kommenden sechs bis zwölf Monate stattfinden, sagte Ministeriumssprecher Sean Parnell gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Diese Entscheidung folge einer gründlichen Überprüfung der US-Truppenpräsenz in Europa. Sie trage den Anforderungen der Einsatzgebiete sowie den Bedingungen vor Ort Rechnung, hieß es laut der Nachrichtenagentur dpa.

US-Präsident Donald Trump hatte am Mittwoch bereits mit dem Abzug gedroht. Man prüfe einen möglichen Abzug von Soldaten aus Deutschland, schrieb Trump auf seinem Onlinedienst Truth Social.

Zuvor hatte Trump Bundeskanzler Friedrich Merz kritisiert, weil dieser von einer Demütigung der USA durch den Iran gesprochen hatte und den Vereinigten Staaten beim Krieg gegen den Iran eine fehlende Strategie vorwarf. »Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz denkt, es sei in Ordnung, wenn der Iran eine Atomwaffe hat. Er weiß nicht, wovon er spricht!«, schrieb Trump.

Äußerungen von Merz »unangebracht« und »kontraproduktiv«

Merz hatte zuvor gesagt: »Die Amerikaner haben offensichtlich keine Strategie.« Da werde »eine ganze Nation gedemütigt durch die ‌iranische Staatsführung, vor allem durch diese sogenannten Revolutionsgarden«, sagte der Kanzler. Der Krieg sei unüberlegt gewesen.

Seit dem Beginn des Irankriegs Ende Februar hatte sich das Verhältnis zwischen den USA und mehreren europäischen Nato-Partnern verschlechtert. Letztere hatten sich geweigert, die USA zu unterstützen. Vor der Auseinandersetzung mit Merz hatte Trump bereits den britischen Premierminister Keir Starmer scharf kritisiert.

Ein ranghoher Vertreter des Pentagon sagte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, die Aussagen des Kanzlers seien »unangebracht«, »nicht hilfreich« und »kontraproduktiv« gewesen.

Aktuell sind nach Angaben des US-Militärs von Mitte April rund 86.000 Soldaten in Europa stationiert – davon rund 39.000 in Deutschland. Die Zahl verändert sich regelmäßig, auch wegen Rotationen und Übungen.

Merz hielt persönliches Verhältnis zu Trump bis zuletzt für »unverändert gut«

Trump hatte bereits in seiner ersten Amtszeit (2017 bis 2021) mit einer Reduzierung des Truppenkontingents in Deutschland gedroht. Damals hatte er einige Monate vor seinem Abschied aus dem Weißen Haus angekündigt, er wolle 12.000 der damals rund 35.000 US-Soldaten aus Deutschland abziehen. Mehrere Tausend davon sollten innerhalb von Europa verlegt werden, andere sollten in die USA zurückkehren. Trump beschrieb das Vorhaben damals als Strafaktion für die aus seiner Sicht mangelnden deutschen Militärausgaben. Sein Nachfolger Joe Biden stoppte die Pläne dann nach seinem Amtsantritt.

Bei einem Besuch von Merz in Washington im Sommer vergangenen Jahres hatte Trump noch den Verbleib der US-Soldaten in Deutschland in Aussicht gestellt. Auf Nachfrage einer Reporterin sagte er, wenn Deutschland die amerikanischen Soldaten dort haben wolle, sei er dazu bereit. »Ja, das werden wir tun. Das ist kein Problem.«

Erst im März hatte Trump dem Bundeskanzler nach dessen Angaben bei einem weiteren Besuch in Washington zugesagt, dass die USA an ihrer Truppenpräsenz in Deutschland festhalten wollten. »Das ist eine gute Nachricht, die ich aber auch anders nicht erwartet habe,« sagte der CDU-Vorsitzende nach einem Treffen mit Trump.

Noch am Mittwoch trat der Kanzler dem Eindruck entgegen, sein Verhältnis zu Trump sei an einem neuen Tiefpunkt angelangt. »Das persönliche Verhältnis zwischen dem amerikanischen Präsidenten und mir ist – jedenfalls aus meiner Sicht – unverändert gut«, sagte er. »Wir sind nach wie vor in guten Gesprächen miteinander.«

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