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Ukrainischer Außenminister nennt Infantinos Idee moralisch degeneriert

Die Ukraine hat Fifa-Präsident Gianni Infantino für dessen Aussagen zu einer möglichen Rückkehr russischer
Mannschaften zu Fußballwettbewerben des Weltverbandes
kritisiert. Die Äußerungen seien moralisch nicht vertretbar und verantwortungslos, teilten ukrainische Minister mit. Russland begrüßte dagegen den Vorstoß zu seinen Gunsten.

Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha verwies auf den völkerrechtswidrigen russischen Angriffskrieg auf die Ukraine, der immer noch täglich Tote fordert. „679
ukrainische Mädchen und Jungen werden nie Fußball spielen können – Russland hat sie getötet“, schrieb er. „Und es tötet weiter, während moralisch Degenerierte
vorschlagen, die Sanktionen aufzuheben, obwohl Russland seinen Krieg
nicht beendet hat.“ Künftige Generationen würden dies als eine Schande
betrachten, die an die Olympischen Spiele 1936 erinnere.

Auch der ukrainische Sportminister Matwij Bidny kritisierte den Fifa-Präsidenten. „Gianni Infantinos
Worte klingen verantwortungslos – um nicht zu sagen infantil“, schrieb
Bidny. „Sie lösen den Fußball von der Realität, dass Kinder getötet
werden.“ Solange Russen weiterhin Ukrainer töteten und den Sport
politisierten, hätten ihre Flagge und nationalen Symbole keinen Platz
unter Menschen, die Werte wie Gerechtigkeit, Integrität und Fair Play respektierten.

Auch der ukrainische Fußballverband rief die Fifa und ihren Präsidenten dazu auf, „die
Haltung zum Ausschluss der Russen nicht zu ändern“, solange der Krieg
gegen die Ukraine andauere. „Wir widersprechen der Behauptung, dass ein
Verbot gegen den Aggressor nicht wirkt. Wir sind der Ansicht, dass der
Ausschluss von der Teilnahme an Wettbewerben ein wirksames Druckmittel
gegen den Aggressor ist.“ Ein Ende der Sperre gefährde die Sicherheit und
Integrität des Wettbewerbs.

Russland freut sich

Infantino hatte sich zuletzt offen für eine Aufhebung der Sperre russischer Mannschaften bei seinen Wettbewerben gezeigt. „Das müssen
wir“, sagte er dem Sender Sky auf die Frage, ob
eine Rückkehr Russlands geprüft werden müsse: „Auf jeden Fall – zumindest im Jugendbereich.“ Das Verbot habe nichts gebracht, sondern Frustration hervorgerufen. Dagegen würde es helfen, „wenn Mädchen und Jungen aus Russland in anderen Teilen Europas
Fußball spielen könnten“.

Kurz nach Russlands Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 hatten die Fifa und die
Europäische Fußballunion (Uefa) ihre Wettbewerbe für
russische Teilnehmer gesperrt.

Russland dagegen zeigte sich erfreut über Infantinos Vorstoß. „Wir haben diese Erklärungen gesehen und begrüßen
sie“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. „Das ist etwas, worüber man
schon vor langer Zeit hätte nachdenken sollen.“ Der russische
Fußballverband schrieb, dass er die „Position von Herrn Infantino voll und ganz“ unterstütze.

Im Dezember 2025 hatte die Fifa mitgeteilt,
dass russische Teams wieder an U15-Turnieren teilnehmen dürften. Der Weltverband folgte dabei der Empfehlung des Internationalen
Olympischen Komitees (IOC), das sich kurz zuvor für eine
„uneingeschränkte“ Rückkehr Russlands bei internationalen
Jugendwettbewerben starkgemacht hatte.

Infantino steht seit Längerem unter anderem wegen seiner Nähe zu umstrittenen Machthabern in der Kritik. Zuletzt hatte die britische Menschenrechtsorganisation FairSquare bei der Ethikkommission der Fifa Beschwerde gegen Infantino wegen dessen Verhältnis zu US-Präsident Donald Trump eingelegt.