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Salzburg (Österreich) – Am Ende siegte Liebe über die Trauer. Seit Jahrzehnten gehört „Tatort“-Star Harald Krassnitzer (65) zu den beliebtesten Schauspielern. Krimis, Komödien, Drama. Er kann alles spielen. Doch diese private Rolle brachte auch den sympathischen Österreicher an seine Grenzen. Der Schauspieler musste Abschied nehmen von seiner geliebten Mutter Susanne. Wie er gegenüber BILD erzählt, starb sie am 14. Februar. Im gesegneten Alter von 95.

Krassnitzers Mutter starb mit 95

Eine Frau, die ein Jahrhundert erlebt und gelebt hat. Und die am Ende doch so viel davon vergessen hatte. Krassnitzer: „Meine Mama litt an Demenz.“ Jene tückische Krankheit, die Erinnerungen löscht, aber Gefühle oft umso stärker macht. Krassnitzer beschreibt die Momente, die so viele aus dem eigenen Umfeld kennen, auf eine versöhnliche Art: „Die Beziehung zwischen uns wurde zum Ende hin intensiver als je zuvor.“

Der Filmstar lebt in Wuppertal und beschreibt, wie er zum Ende hin jeden Moment nutzte, um bei der Mutter in Salzburg zu sein: „Meine Schwester hat einen Großteil dieser Arbeit gemacht, weil ich noch relativ intensiv mit Dreharbeiten und all dem Wahnsinn beschäftigt war, den man das Leben nennt. Ich bin bei Drehpausen so oft wie möglich hingefahren.“

Es entstanden neue Momente, die beide zusammen erlebten. Krassnitzer: „Das Erkennen war mitunter schwierig. Diese Krankheit hat manchmal aber auch viele lustige Seiten. So seltsam das klingt: Mal war ich für sie mein eigener Vater, mal der Bruder oder der Hund. Bis dann irgendwann am Schluss nur noch eine Person zur Verfügung stand. Und das durfte ich dann sein. Ihr Sohn.“

Beziehung zur Mutter so intensiv wie nie

Und weiter: „Die Beziehung zu meiner Mutter war in dieser Phase wahrscheinlich so intensiv wie nie zuvor. Wenn sie mir die Hand gegeben und einfach nicht mehr losgelassen hat, weil sie so fest zugedrückt hat, dass ich mich nicht hätte befreien können. Diese Berührung erzählte etwas. Eine Botschaft.“ Die lautete: „ICH bin deine Mutter!“ Das habe zum einen erschreckt, „aber uns auch erst wirklich geöffnet“.

Harald Krassnitzer reflektiert über die Momente: „Die ganze Situation hat mir etwas Neues beigebracht. Wenn ich dann mit meiner Schwester über Würde diskutiert habe. Dann hat sie mich genommen und gesagt: ‚Komm mit!‘ Wir haben unsere Mutter in den Rollstuhl gesetzt und sind hinausgegangen, egal was für ein Wetter war. Wenn wir Glück hatten, war Sonne. Wir sind durchs Dorf gegangen und dann hat es keine 15 Sekunden gedauert und meine Mutter wandte sich der Sonne zu, wie eine Sonnenblume, weil sie die Wärme spürte. Sie hat das Rascheln in Bäumen anders wahrgenommen. Da wurde mir klar, dass das, was ich unter Würde verstehe, völliger Blödsinn ist. Sie ist noch da. Sie fühlt und lebt im Moment. Meine Schwester hat mir gezeigt, dass es in diesem Zusammenhang nur einen einzigen Begriff gibt, der tatsächlich eine große Tragweite hat. Liebe.“

Für den TV-Star bleibt eine Erkenntnis

Für den langjährigen „Tatort“-Ermittler war all das kein Ende. „Es war eher ein Anfang“, sagt er. Die Familie ist enger zusammengerückt, die Verbindung tiefer geworden. Was bleibt, ist Dankbarkeit. Und die Aufgabe, diese Liebe weiterzutragen. Vielleicht ist genau das auch der Grund, warum sein neuer Film „Der verlorene Mann“ (Start: 7. Mai im Kino) so unter die Haut geht. Darin spielt Krassnitzer einen demenzkranken Ehemann, der die Scheidung von seiner Frau vergessen hat.

An der Seite von Dagmar Manzel (67) und August Zirner (70) entsteht ein Werk, das berührt, erschüttert, zu Tränen rührt. Es ist ein Film über das Vergessen – und über das, was bleibt. Seine Mutter hätte ihn sicher gerne gesehen. Und verstanden. Und ganz sicher wäre sie stolz gewesen.