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Schottischer Labour-Chef fordert Rücktritt von Keir Starmer

Der schottische Labour-Chef Anas Sarwar hat den britischen Premier Keir Starmer zum Rücktritt aufgefordert. „Die Führung in der Downing Street muss ausgetauscht werden“, sagte Sarwar bei einer Pressekonferenz in Glasgow. „Es gab zu viele Fehler.“ 

Der britische Premier steht wegen des Epstein-Skandals unter Druck. Der schottische Labour-Chef ist bislang der ranghöchste Parteifreund Starmers, der diesem die Unterstützung entzieht.

Starmer sei „ein anständiger Mann“, fügte Sarwar hinzu. Es gebe richtige Bemühungen in der Regierung, diese würden aber untergehen. „Deshalb kann es nicht so weitergehen.“

Die Opposition in Großbritannien fordert schon länger Starmers Rücktritt. Hintergrund ist, dass dieser den früheren Labour-Politiker Peter Mandelson als US-Botschafter ernannt hatte – obwohl Starmer wusste, dass Mandelson nach der Verurteilung von Jeffrey Epstein im Jahr 2008 weiterhin Kontakt zu dem US-Sexualstraftäter hielt. Starmer hat bei den Opfern Epsteins um Entschuldigung für die Ernennung Mandelsons gegeben, lehnt einen Rücktritt aber ab.

Am Sonntag war im Zusammenhang mit dem Skandal Starmers Stabschef Morgan McSweeney zurückgetreten. Er übernahm die Verantwortung für die Ernennung Mandelsons zum Botschafter. Weniger als 24 Stunden später erklärte auch Starmers Kommunikationschef Tim Allan seinen Rücktritt. Er teilte zur Begründung mit, er wolle den Aufbau eines neuen Teams in der Downing Street ermöglichen. 

Prinz William äußert sich zu Epstein-Files

Die zuletzt veröffentlichten Akten zum Epstein-Skandal förderten auch weitere Details zum Verhältnis zwischen dem Sexualstraftäter und dem früheren britischen Prinzen Andrew zutage. Wie nun bekannt wurde, prüft die britische Polizei Vorwürfe, wonach Andrew im Jahr 2010 vertrauliche britische Handelsdokumente an
Epstein weitergegeben haben soll. Dabei soll es sich offenbar um
Berichte über Vietnam und Singapur handeln, die der ehemalige Prinz in
seiner damaligen Rolle als britischer Sonderbotschafter für Handel
erhalten hatte. Epstein war zu diesem Zeitpunkt bereits wegen
Sexualstraftaten an Minderjährigen verurteilt worden. 

Der britische Thronfolger Prinz William und seine Frau Kate äußerten sich ungewöhnlich deutlich über die Enthüllungen. Das Paar sei „zutiefst besorgt“ über die jüngsten Veröffentlichungen aus den Epstein-Akten, teilte ein Sprecher mit. Andrew ist Williams Onkel.

Andrew hatte im Zusammenhang mit dem Epstein-Skandal 2022 eine Zivilklage von Virginia Giuffre mit einer außergerichtlichen Einigung beigelegt. Giuffre hatte ihm sexuellen Missbrauch als Minderjährige vorgeworfen. Die Klägerin beging im April 2025 Suizid. Andrew hat ein Fehlverhalten stets bestritten. Zu den neuen Vorwürfen schweigt er bislang. Die Polizei in der englischen Region Thames Valley prüft derzeit zudem einen weiteren Vorwurf gegen ⁠Andrew, bei dem es um eine Frau geht, die zu einer Adresse in Windsor gebracht worden sein soll.

Durch seine Beziehung zu Epstein hatte der ehemalige Prinz bereits seine Privilegien verloren. 2019 musste er von allen royalen Pflichten zurücktreten. Im Oktober 2025 entzog ihm König Charles den Prinzentitel. In der vergangenen Woche musste er sein Anwesen Royal Lodge in Windsor verlassen.

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