In den letzten Jahren sollen die militärischen Ausgaben Russlands laut einer seit längerem laufenden Analyse des Bundesnachrichtendienstes (BND) um bis zu 66 Prozent höher gelegen haben als im offiziellen Verteidigungshaushalt dargestellt. Dabei geht aus der Analyse hervor, dass der Verteidigungshaushalt seit Beginn des Angriffskrieges gegen die Ukraine jedes Jahr deutlich gestiegen ist.
Unter anderem wurden Bauvorhaben des Verteidigungsministeriums, IT-Projekte des Militärs oder Sozialleistungen für Angehörige der Streitkräfte nicht im Verteidigungshaushalt, sondern in anderen Teilen des Haushalts aufgeführt. Dies könnte laut der BND-Analyse jedoch auch daran liegen, dass die russische Auslegung von Verteidigungsausgaben stark von der Definition der Nato abweicht. Zudem würden Informationen zu Verteidigungsausgaben von offiziellen russischen Stellen häufig verzerrt dargestellt und bedürften daher einer weiteren Einordnung.
Nach BND-Angaben werden die militärischen Mittel nicht nur für den Krieg gegen die Ukraine verwendet, sondern auch für den zusätzlichen Auf- und Ausbau militärischer Kapazitäten, insbesondere im Grenzbereich zu den östlichen Nato-Ländern. „In diesen Zahlen materialisiert sich konkret die wachsende Bedrohung Europas durch Russland“, heißt es in der Analyse.
2022 lagen militärische Ausgaben bei sechs Prozent des BIP
Für das Jahr 2025 schätzt der deutsche Geheimdienst die militärischen Ausgaben Russlands auf rund 250 Milliarden Euro und damit auf etwa die Hälfte des Gesamtbudgets. Das entspräche einem Anteil am russischen Bruttoinlandsprodukt (BIP) von etwa zehn Prozent, heißt es im BND. Zu Beginn des Krieges lagen die militärischen Ausgaben Russlands demzufolge noch bei sechs Prozent des BIP. Im Jahr darauf sei dieser Anteil auf 6,7 Prozent gestiegen, 2024 auf 8,5 Prozent.
Bei einer öffentlichen Anhörung der Chefs der Geheimdienste Mitte Oktober hatte BND-Präsident Martin Jäger ohne direkten Bezug auf die anwachsenden militärischen Potenziale gewarnt: „Russland camoufliert seine Absichten, zielt in Wahrheit darauf ab, unsere Grenzen auszutesten.“ Europa müsse sich auf weitere Verschärfungen der Lage vorbereiten. Ihm zufolge legt es Russland darauf an, die Nato zu unterminieren, europäische Demokratien zu destabilisieren sowie Gesellschaften zu spalten und einzuschüchtern.
