Eine US-Richterin hat die Wiederherstellung
einer vor einigen Wochen abgebauten Freiluftausstellung in Philadelphia
über die Geschichte der Sklaverei in den USA angeordnet. Die
US-Regierung habe nicht die Befugnis, „historische Wahrheiten zu
verschleiern und zu verfälschen“, hieß es im Urteil der US-Richterin
Cynthia M. Rufe. Die Großstadt im US-Bundesstaat Pennsylvania
hatte gegen den Abbau der Ausstellung Klage eingereicht.
Rufe berief sich in ihrer Entscheidung auf den
Roman des britischen Schriftstellers George Orwell über einen
dystopischen, autoritären Staat. Es sei, „als gäbe es nun das
Ministerium für Wahrheit aus George Orwells ‚1984‘ mit seinem Motto
‚Unwissenheit ist Stärke'“, schrieb die Richterin in ihrem Urteil. Die
US-Regierung behaupte, „sie allein habe die Macht, historische
Darstellungen zu löschen, zu verändern, zu entfernen und zu verbergen“.
Die Ausstellung war im Januar von der
US-Nationalparkverwaltung (NPS) abgebaut worden. Nach Angaben der
Stadtverwaltung von Philadelphia war der Abbau der Ausstellung vermutlich eine Folge eines Dekrets, das US-Präsident Donald Trump im
März vergangenen Jahres unterzeichnet hatte. Darin forderte der
US-Präsident, „die Wahrheit und den Verstand in der amerikanischen
Geschichte wiederherzustellen“ und die „Verbreitung von spaltender
Ideologie“ rückgängig zu machen. In dem Dekret wurde die Ausstellung in
Philadelphia mit dem Titel als Beispiel angeführt.
Demokraten begrüßen das Urteil
Die Ausstellung mit Dutzenden
Informationstafeln und Videopräsentationen befand sich im Presidential
House. Das Gebäude war die offizielle Residenz von George Washington,
dem ersten US-Präsidenten, als Philadelphia die provisorische Hauptstadt
des neuen Landes war. In dem Haus lebten auch Washingtons neun Sklaven,
die in der im Jahr 2010 eröffneten Ausstellung gewürdigt wurden.
Die Demokraten in Philadelphia begrüßten das
Urteil, das zunächst nur vorläufig gilt, bis weitere Gerichtsverfahren
abgeschlossen sind. „Ich bin stolz auf unser Land und seine
Gründungsideale. Das bedeutet, dass wir die ganze Wahrheit über unsere
Geschichte erzählen, das Gute wie das Schlechte“, sagte der
demokratische Abgeordnete Brendan Boyle, der Teile von Philadelphia im
US-Repräsentantenhaus vertritt.
Trump geht seit Beginn seiner zweiten Amtszeit
im Januar 2025 hart gegen Kulturinstitutionen und ihre angeblich linke
Ideologie vor. Der US-Präsident ließ im vergangenen Jahr unter anderem
missliebige Inhalte aus den Nationalmuseen in Washington, D. C. entfernen.
