Kiew/Moskau – Mehr als zwei Millionen russische und ukrainische Soldaten wurden seit Beginn der russischen Großinvasion im Februar 2022 getötet, verwundet oder gelten als vermisst. Das zeigt eine aktuelle Analyse der US-Denkfabrik Center for Strategic and International Studies (CSIS). Der Ukraine-Krieg ist längst zu einem gigantischen Abnutzungskrieg geworden – mit immer höheren Kosten für Kremlchef Wladimir Putin.
Besonders schwer trifft es nach Einschätzung der Experten Russland: Die russischen Streitkräfte sollen inzwischen rund 1,4 Millionen Verluste erlitten haben, darunter 400.000 bis 450.000 Gefallene. „Seit dem Zweiten Weltkrieg hat keine Großmacht auch nur annähernd so viele Gefallene und Verwundete in einem Krieg erlitten“, schreiben die CSIS-Experten Seth G. Jones und Riley McCabe. Für die Ukraine schätzt CSIS die Verluste auf 525.000 bis 625.000 Soldaten, davon 125.000 bis 150.000 Tote.
Russen verlieren mehr als sie erobern
Doch trotz der gewaltigen Opfer bleibt der große militärische Durchbruch für Moskau aus. Im Gegenteil: Die Analysten des CSIS sehen deutliche Anzeichen dafür, dass Putins Armee zunehmend an ihre Grenzen stößt. Zwar rücken russische Truppen an einigen Frontabschnitten – etwa im Donbass bei Kostjantyniwka oder im Norden der Front – weiter vor. Doch der Vormarsch verläuft nur noch im Schneckentempo: Je nach Frontabschnitt gewinnen die russischen Angreifer im Durchschnitt lediglich 50 bis 90 Meter pro Tag. Aber auch die Ukrainer rückten im Frühjahr an manchen Abschnitten vor. So kommt es, dass die Russen im Frühjahr 2026 mehr Gelände verloren, als sie erobert haben. Allein im April und Mai sollen die Russen so rund 400 Quadratkilometer mehr verloren haben, als sie gewonnen haben.
Putins Armee schrumpft
Gleichzeitig wächst offenbar das Personalproblem der russischen Streitkräfte. Nach Schätzung der Experten verliert Russland derzeit 30.000 bis 34.000 Soldaten pro Monat, kann aber nur noch rund 27.000 neue Rekruten gewinnen. Setzt sich dieser Trend fort, dann gehen Putin irgendwann die Soldaten aus. Trotzdem warnen die Studienautoren davor, den Kreml bereits abzuschreiben. Russland verfüge weiterhin über große personelle Reserven und eine Kriegswirtschaft, die trotz erheblicher Belastungen funktioniere. Dennoch denke Putin nicht daran, seinen Kurs zu ändern, heißt es in der CSIS-Studie.