TTS-Player überspringenArtikel weiterlesen

Zweibrücken – Als er kein Ticket hatte, ihn Schaffner Serkan Çalar (36) deshalb aus dem Zug werfen wollte, sprang Ioanni V. (26) auf und schlug den 36-Jährigen nieder. So hart, dass der Vater zweier Kinder zwei Tage später in der Klinik an einer Hirnblutung starb. Während die Staatsanwaltschaft von Mord spricht, forderte die Verteidigung jetzt eine Verurteilung wegen Körperverletzung mit Todesfolge in einem minder schweren Fall. Ein Schock für Serkans Familie und Freunde.

An Tag 6 im Fall des getöteten Zugbegleiters ist am Dienstag um 9.44 Uhr die Beweisaufnahme geschlossen worden. Staatsanwaltschaft, drei Nebenklage-Anwälte und zwei Verteidiger hielten ihre Plädoyers, Ioanni V. hatte das letzte Wort. Doch keine Entschuldigung, kein Wort der Reue. Nur ein „Ich möchte nichts sagen.“

Keine Reue beim Schaffner-Killer

43 Minuten dauerte allein das Plädoyer des Staatsanwalts. Er bittet bei Familienangehörigen um Verständnis: „Nicht alles, was Sie heute hören werden, wird Ihnen gefallen. Auch das muss man aushalten. Aushalten müssen.“ Niemand wolle die Tat verharmlosen, aber emotionale Betroffenheit mache oft blind. Der Tatablauf sei zweifelsfrei dokumentiert. Nur was der Angeklagte dachte, sei nicht zu sehen gewesen – handelte der Angeklagte mit einem Tötungsvorsatz? Ein eindeutiges Bild würde es nicht geben. Er fordert eine Verurteilung wegen Körperverletzung mit Todesfolge und 12 Jahre Haft.

Nebenklage-Anwälte fordern lebenslang

Das sehen die drei Nebenklage-Anwälte anders. 93 Minuten sprechen sie für Serkan Çalars Familie – und fordern eine Verurteilung wegen Mordes aus niedrigen Beweggründen. Doch die Angehörigen selbst? Sie blieben dem Saal fern. Kein einziger Nebenkläger erschien. Ihr Schmerz sitzt zu tief – ihr Fernbleiben ist ihr Protest. Anwalt Yalçın Tekinoğlu machte keinen Hehl daraus, wie enttäuscht die Familie ist: „Von den Nebenklägern ist niemand erschienen. Das hat seine Gründe. Ich gehe davon aus, dass das Gericht den Angeklagten wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilen wird. Dieses Urteil stand unseres Erachtens von Anfang an fest.“ Die Familie hätte sechs Verhandlungstage lang ertragen müssen, dass der Mann, der Serkan Çalar tötete, nicht einmal Reue zeigte. Für den Fall, dass das Gericht keine Mordmerkmale anerkennt, forderte er hilfsweise 14 Jahre und 6 Monate wegen Totschlags – oder mindestens 10 Jahre bei Körperverletzung mit Todesfolge.

Verteidigung spricht von minder schwerem Fall

Die Forderung der Verteidigung hingegen wohl kaum auszuhalten für die Angehörigen: eine Verurteilung wegen Körperverletzung mit Todesfolge in einem minder schweren Fall. „Der Angeklagte hatte keine medizinische Erfahrung und hätte nicht wissen können, dass die Schläge lebensgefährlich waren. Der Tod war eine seltene Komplikation.“ Es wäre eine Affekttat gewesen, es wäre keine kalkulierte Gewalt gewesen. „Der Angeklagte wollte verletzen und nicht töten“ und er habe sich im psychischen Ausnahmezustand befunden.

Am Donnerstag um 10 Uhr will Richter Andreas Herzog das Urteil fallen.