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Was für eine völlig verrückte Partie! Österreich verspielt gegen Algerien zwei Führungen, kassiert in der Nachspielzeit das 2:3 von Riyad Mahrez (90.+3), steht damit vor dem WM-Aus. Doch dann trifft Sasa Kalajdzic Sekunden vor Schluss zum 3:3 (90.+6). Pure Ekstase in Rot-Weiß! Der Ex-Stuttgarter rettet der Elf von Nationaltrainer Ralf Rangnick den Einzug in die K.o.-Runde.

Denn die Ösis sichern sich so Platz 2 in Gruppe J und treffen im Sechzehntelfinale am kommenden Donnerstag (21 Uhr) in Los Angeles auf Spanien. Eine Niederlage hätte das bittere Aus in der Gruppenphase bedeutet. Auch Algerien reicht das Remis, um als einer der 8 besten Gruppendritten in die K.o.-Runde einzuziehen. Gegner im Sechzehntelfinale: die Schweiz (Fr., 5 Uhr in Vancouver).

Rangnick: „Ich kann das gar nicht glauben“

Rangnick ist nach dem Spiel fast sprachlos, sagt im ZDF über das dramatische Österreich-Finale: „Ich habe keine Worte für das, was in den letzten 90 Sekunden passiert ist. Das habe ich so noch nie erlebt. Ich kann das gar nicht glauben. 2:3 hinten, die offizielle Spielzeit ist schon um und wir kommen nochmal zurück.“

Die entscheidende Szene: Mit der letzten Aktion des Spiels flankt Sabitzer von links in den Strafraum, Michael Gregoritsch (32/1,93 Meter) legt ab auf Kalajdzic (2m) und der Ex-Stuttgarter trifft per Kopf ins rechte Eck. Kalajdzic rennt Richtung Eckfahne, das komplette Team feiert mit.

Vor der Last-Minute-Rettung für Rangnick kommt es zum wohl kuriosesten Tor dieser WM. Denn beim Algerien-Ausgleich zum zwischenzeitlichen 1:1 hilft die Eckfahne mit. 45. Minute: Ösi-Verteidiger Mwene will einen langen Ball ins Aus gehen lassen. Doch dann rollt die Kugel genau gegen die Eckfahne, bleibt so im Spiel. Über Algerien-Kapitän Riyad Mahrez kommt die Kugel zu Rafik Belghali, der mehrere Gegner austanzt und ins kurze Eck trifft.

Zuvor gehen die Ösis aus dem Nichts in Führung: Nach einem langen Ball von Alaba ist Marko Arnautovic frei durch, bugsiert die Kugel ins Netz – 1:0 (28.). Nach dem kuriosen Eckfahnen-Ausgleich bringt BVB-Star Marcel Sabitzer das Rangnick-Team in der zweiten Hälfte wieder in Führung (55.). Doch kurz darauf schlägt Algerien zurück, trifft durch Mahrez zum 2:2 (60.).

Sorgen vor „Schande von Kansas City“

Vor Anpfiff gab es Sorgen, dass es 44 Jahre nach der „Schande von Gijón“ zur „Schande von Kansas City“ kommen könnte. Hintergrund: Bei der WM 1982 hatten Deutschland und Österreich in Gijón (Spanien) für einen der größten WM-Skandale gesorgt. Denn nach der frühen Führung durch Horst Hrubesch stellten beide Mannschaften das Spielen ein, schoben sich den Ball von links nach rechts, von hinten nach vorn – bis zum Schlusspfiff. Denn mit dem 1:0 war klar, dass beide weiterkommen.

Leidtragende war damals Algerien. Den Nordafrikanern fehlte am Ende ein Tor für den Einzug in die 2. Finalrunde. Genau das hätte sich jetzt wiederholen können. Dieses Mal allerdings mit Algerien in einer möglichen Täter-Rolle.

Doch das Spiel ist lange alles andere als ein Nichtangriffspakt. Beide Teams spielen mit offenem Visier voll auf Sieg. Nur in der zweiten Hälfte riskieren beide Teams beim Stand von 2:2 kaum noch etwas. Doch dann kommt die völlig verrückte Schlussphase mit den 2 ganz späten Toren. So kommt es statt der „Schande von Kansas City“ zum „Wahnsinn von Kansas City“.