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„Der Oberschurke des Fußballs“ DIE ZEIT

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„Er ist für den Fußball die größte Bedrohung“ Süddeutsche Zeitung

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„Der Mann, der unseren Fußball verkauft“ BILD

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Seit zehn Jahren hat er bei der Fifa das Sagen: Gianni Infantino (56). Und er hat noch lange nicht genug. Der Präsident des Weltverbands behauptet, er liebe den Fußball. Was er aber noch mehr liebt, ist Macht.

Wer ist Giovanni Vincenzo Infantino?

Geboren in Brig im Schweizer Kanton Wallis, kommt er 1970 als jüngstes von drei Geschwistern zur Welt. Seine Eltern sind italienische Gastarbeiter. Mama Maria betreibt einen Kiosk, Vater Vincenzo arbeitet am Bahnhof als Zeitungsbote.

Doch schon vor der Geburt des kleinen Giannis gibt es Probleme. Ärzte entdecken, dass etwas mit dem Blut des Kindes nicht stimmt. Zwölf Tage vor dem errechneten Termin wird er geholt. Der Kampf mit dem Tod beginnt. Antikörper verursachen eine schwere Gelbsucht. Nur ein vollständiger Blutaustausch kann den Kleinen retten. Das Rote Kreuz findet zwei Menschen mit der gleichen, seltenen Blutgruppe in ganz Europa. Einer in Bristol (England), einer in Belgrad (Serbien). Beide helfen mit je einem halben Liter Blut, das mit der Rettungsflugwacht eingeflogen wird. So retten sie Infantinos Leben.

56 Jahre später ist er der mächtigste Mann im Weltfußball.

Infantino ist seit 2001 mit Leena, einer Libanesin, verheiratet. Gemeinsam haben sie vier Töchter – die Zwillinge Sabrina und Alessia (beide 23), Shania Serena (21) sowie Dhalia Nora (15). Die Familie soll ihren Wohnsitz im Schweizer Kanton Zug haben. Zwischenzeitlich lebte sie auch in Doha (Katar).

Seit der Hochzeit besitzt Infantino neben der schweizerischen und italienischen auch die libanesische Staatsbürgerschaft. Er spricht fließend Englisch, Italienisch, Französisch, Deutsch, Arabisch, Spanisch und Portugiesisch, gilt als Workaholic. Immer unter Strom, immer unterwegs.

Zurück zu seiner Kindheit. Der kleine Gianni spielt Fußball beim FC Folgore, kickt später in der 5. Liga. Zu mehr reicht es nicht. Nach dem Schulabschluss absolviert er ein Jurastudium an der Universität Fribourg. 2000 kommt er zur Uefa. In der Folge bekleidet er verschiedene Positionen beim Verband, ehe er 2009 den Posten des Generalsekretärs übernimmt. Doch damit nicht genug! Infantino will mehr.

Sein Glück: Im Mai 2015 stürmt die Polizei das Züricher Hotel Baur au Lac und nimmt sieben Fifa-Funktionäre fest. Die Bundesanwaltschaft eröffnet u. a. wegen Veruntreuung ein Strafverfahren gegen den damaligen Präsidenten Sepp Blatter (heute 90). Im Zentrum steht eine Zahlung über 2 Mio. Euro an Uefa-Boss Michel Platini (heute 71). Auch wenn das Gericht später beide freispricht, sind sie nicht mehr tragbar. Blatter (kommt aus dem gleichen Kanton wie Infantino) tritt zurück und Platini wird gesperrt. Der Verband liegt in Trümmern – und Infantino wittert seine Chance.

Er ist zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Im Oktober 2015 reicht er seine Kandidatur fürs höchste Amt im Weltfußball ein. Der Mann, der als Baby dem Tod von der Schippe sprang. Der Mann, der als Kind in der Schule wegen seiner roten Haare und Sommersprossen gehänselt wurde.

Infantino versprach Transparenz, Glaubwürdigkeit und neue Fifa

Im Februar 2016 wird Infantino endgültig zu FIFAntino! Er setzt sich im zweiten Wahlgang mit 115 von 207 Stimmen überraschend gegen Scheich Salman bin Ibrahim al-Chalifa (60) durch und wird zum Präsidenten gewählt. Der Schweizer verspricht bei seinem Amtsantritt Transparenz, Glaubwürdigkeit und eine neue Fifa.

Infantino damals: „Wir werden das Image und das Ansehen der Fifa wiederherstellen.“

Sein Motto: Wer zahlt, bestimmt. Und Infantino zahlt gut. Er sichert den 211 Mitgliedsverbänden eine Erhöhung der Fördergelder von 1,4 Mio. auf 4,4 Mio. Euro pro Vier-Jahres-Zyklus zu. Vor allem die kleineren Verbände bringt er damit auf seine Seite.

Zehn Jahre später ist die Fußballwelt fassungslos und schockiert über das, was aus der Fifa geworden ist.

Ex-DFB-Präsident Theo Zwanziger (81) im Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“: „Infantino hat die Verbindung zur Basis völlig verloren. Er ist der unwürdigste Fifa-Präsident aller Zeiten.“

Infantino hat den Sport verraten und verkauft. Er kassierte laut Finanzbericht 2025 rund 5,27 Mio. Euro Gehalt. Doch seine Gier kennt keine Grenzen.

Ex-Uefa-Boss Platini sagte zuletzt über seinen einstigen Ziehsohn: „Er war eine gute Nummer zwei, aber er ist keine gute Nummer eins. Sein Problem ist, dass er auf die Reichen und Mächtigen steht, die mit Geld. So ist sein Charakter.“

Infantino biedert sich bei den Mächtigen an, geht bei Autokraten ein und aus. Von Russlands Präsidenten Wladimir Putin (73) bekam der Fifa-Boss 2019 den „Orden der Freundschaft“. Auch mit „Blut-Scheich“ Mohammed bin Salman (40) macht Infantino Geschäfte. Der Saudi wurde für die Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi († 59) 2018 verantwortlich gemacht.

Eine ganz besonders enge Beziehung pflegt Infantino zu US-Präsident Donald Trump (80). Dem verleiht der Fifa-Chef kurzerhand bei der WM-Auslosung im Dezember den neu geschaffenen Friedenspreis. Mit der Aufhebung der Rotsperre für US-Stürmer Folarin Balogun (25) fürs Achtelfinale gegen Belgien (1:4) hat das devote Verhalten von Infantino gegenüber Trump einen neuen Tiefpunkt erreicht. Vorausgegangen war ein Anruf des US-Präsidenten bei seinem Freund „Johnny“.

Im Laufe der Jahre wird Infantino immer wieder vorgeworfen, gegen die Richtlinien des Weltverbandes zu verstoßen. Doch Korruptionsverdächtigungen wischt er weg, Ermittlungsverfahren werden eingestellt. Und wer ihn kritisiert, wird aus dem Weg geräumt. Er ist der Unstürzbare.

Infantino beantwortete zuletzt 2023 Fragen auf einer Pressekonferenz

Sein Meisterstück: Er setzt durch, dass der Fifa-Rat die Mitglieder der Kontrollgremien, darunter die Ethik- und Compliance-Kommission, selbst ernennen und abberufen kann.

Kritik? Unerwünscht. Die letzten Fragen auf einer Pressekonferenz beantwortete er 2023.

Beleg für Infantinos Selbstherrlichkeit: Auf die vergoldete Trophäe der von ihm eingeführten und 2025 erstmals ausgetragenen Klub-WM ließ er zweimal seinen eigenen Namen eingravieren.

Die Fifa regiert den Fußball – und Infantino regiert die Fifa. Kein Wunder, dass Ex-Präsident Blatter heute urteilt: „Die Fifa ist unter Infantino eine Diktatur.“

2019 wird Infantino per Akklamation (Beifall der Anwesenden) wiedergewählt. Genauso vier Jahre später. Einen Gegenkandidaten gibt es (natürlich) nicht. Kommendes Jahr endet seine dritte und laut Fifa-Statuten letzte Amtszeit. Doch Infantino wäre nicht Infantino, wenn er nicht auch dafür eine Lösung hätte. Sein Credo: Da die erste Amtsperiode nach Blatters Rücktritt nur drei statt der üblichen vier Jahre dauerte, sei es keine vollständige Amtszeit gewesen.

Ergo: Infantino will sich 2027 erneut zur Wiederwahl stellen. Viele Verbände aus Südamerika, Asien und Afrika haben ihm bereits ihre Unterstützung zugesagt.