Er findet klare Worte. Nach dem blamablen WM-Aus der DFB-Elf im Sechzehntelfinale gegen Paraguay (4:5 n.E.) geht es um die Zukunft von Coach Julian Nagelsmann. Und auch um Fehlersuche. Während der Vorberichterstattung zum WM-Sechzehntelfinale zwischen England und der Demokratischen Republik Kongo wird TV-Experte Bastian Schweinsteiger (41) deutlich.

Schweini in der ARD: „Meine Ex-Kollegen sagen zu mir, wir hätten unsere DNA verloren. Wir haben den Fehler gemacht vor Jahren, dass wir nur noch fußballerische Lösungen gesucht haben. Unsere eigenen Stärken und Tugenden, für die wir im Ausland respektiert worden sind, haben wir aufgegeben oder vernachlässigt. Jetzt haben wir nicht mehr fußballerisch die Lösungen in den Spielen – und bei der Robustheit und Intensität können wir nicht mehr mithalten. Mexiko zum Beispiel hat das mehr als wir. Da haben wir in der Vergangenheit große Fehler gemacht und jetzt sind wir dreimal so früh ausgeschieden bei einer WM, das ist kein Zufall mehr.“

Düstere Deutschland-Prognose von Schweini

Kann sich das bis zur nächsten Europameisterschaft 2028 im Vereinigten Königreich und Irland ändern? Schweinsteiger: „Aktuell habe ich keine große Hoffnung, wir sind Mittelmaß, das ist die nackte Wahrheit. Jetzt müssen wir erstmal wieder alles analysieren und aufbauen und das kostet Energie und Kraft. Das muss sich der DFB fragen, ob Julian Nagelsmann das kann, oder muss jemand Neues her.“

Nagelsmann steht nach dem frühen Aus massiv in der Kritik, die öffentlichen Rufe nach Jürgen Klopp (59) als Nachfolger werden lauter. In den kommenden Tagen wollen die DFB-Funktionäre um Präsident Bernd Neuendorf (64), Vize Hans-Joachim Watzke (67), Sportdirektor Rudi Völler (66) und Geschäftsführer Andreas Rettig (63) auf einem Gipfel über die Zukunft beraten.

„Ich muss auch die Spieler in die Pflicht nehmen“

ARD-Moderatorin Esther Sedlaczek fragt Schweini: „Wenn sich Jürgen Klopp bereit erklären würde, müsste der DFB alles daran setzen, ihn zu holen?“ Schweinsteiger: „Na ja, dass Deutschland sich Jürgen Klopp als Bundestrainer vorstellen kann und er selbst natürlich auch – wenn du ein Jürgen Klopp bist, was gibt es da noch für eine Steigerung? Julian Nagelsmann ist unter Vertrag, das müssen wir auch respektieren. Der Präsident und seine Kollegen müssen sich schon die Frage stellen: Kann Julian Nagelsmann eine Aufbruchstimmung erzeugen und auch, lässt man den Geist Klopp da herumwirren?“

Weiter sagt er: „Er hat mit Sicherheit seine Fehler gemacht auch mit der Kommunikation. Da waren viele Baustellen, wo man sich hätte anders darstellen können. Ich habe mit Trainern gearbeitet, die sind ein bisschen gelassener mit Situationen umgegangen, das strahlt auch auf eine Mannschaft aus. Die Frage ist aber auch: Wer kann uns garantieren, dass wir mit einem neuen Trainer erfolgreicher sind, was haben wir für Spielermaterial? Ich muss auch die Spieler in die Pflicht nehmen, das war auch nicht toll, was sie geleistet haben.“