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Köln (NRW) – Schon wieder Schüsse im Herzen der Domstadt. Und wieder traf es das Geschäft eines türkischstämmigen Unternehmers. Nach BILD-Informationen soll ein gefürchteter Mafia-Boss hinter der Attacke stecken – doch geschossen hat wohl jemand anderes.

Gegen 4 Uhr am Freitagmorgen alarmierte ein Zeuge die Polizei, nachdem er in der Innenstadt von Köln Knallgeräusche gehört hatte. In der Apostelnstraße entdeckten die Beamten Einschusslöcher an dem Luxusuhren-Geschäft „Zeitlos“. Die Spurensicherung rückte an, auch ein Diensthund kam zum Einsatz. Verletzt wurde nach ersten Erkenntnissen niemand. Von dem oder den Schützen fehlte zunächst jede Spur.

„Napoleon“ soll Auftraggeber sein

BILD erfuhr: Hinter dem Angriff soll der türkische Mafia-Boss Hasan Okutan (37) stecken, der unter dem Spitznamen „Napoleon“ bekannt ist. Demnach soll er sogenannte Shooter beauftragt haben, um Geschäftsleute einzuschüchtern und Geldforderungen durchzusetzen.

Das Geschäft „Zeitlos“ liegt unweit des ebenfalls türkisch geführten Uhrengeschäfts „Karmann“. Auf dieses sollen in der jüngeren Vergangenheit bereits dreimal Schüsse abgegeben worden sein – einmal sogar aus einer Kalaschnikow. Auch der Betreiber von „Karmann“ soll nach BILD-Informationen von „Napoleon“ erpresst werden.

Was die Mafia von den Opfern fordert

Nur wenige Hundert Meter entfernt fielen im Oktober Schüsse in der Mittelstraße. Dort wurden mehrere Geschäfte getroffen. Nach BILD-Informationen sollen die Attacken einer Kölner Gastronomenfamilie gegolten haben. Der Hintergrund soll eine Forderung über 300.000 Euro sein. Der Sohn der Familie soll Spielwettschulden gehabt haben. Der bedrohte Gastronom habe bereits 100.000 Euro gezahlt und wolle den Rest in Raten begleichen.

Die Ermittlungsbehörden haben diese konkreten Vorwürfe bislang nicht öffentlich bestätigt. Sie prüfen jedoch bei zahlreichen Angriffen, ob Erpressungen und beauftragte Gewalttaten dahinterstecken. Nach BILD-Informationen geht es den Tätern immer nur um Geld.

34 Angriffe in Köln binnen weniger Monate

Seit Pfingsten registrierte die Kölner Polizei 34 Angriffe mit Schusswaffen, Brandsätzen oder Sprengstoff auf Geschäfte und Wohnhäuser. 24 Tatverdächtige wurden nach Polizeiangaben bislang festgenommen. Nicht alle Fälle gehören nach bisherigem Ermittlungsstand zu derselben Serie. Auffällig ist jedoch: Immer wieder richten sich die Attacken gegen Restaurants, Cafés, Juweliere und andere Geschäfte türkischstämmiger Unternehmer.

Ermittler sprechen von „Violence as a Service“, zu Deutsch: Gewalt als käufliche Dienstleistung. Hintermänner sollen häufig junge, jederzeit austauschbare Schützen anheuern. Die Täter feuern auf Fassaden, werfen Brandsätze oder filmen ihre Angriffe als Beweis für die Auftraggeber.

Zwei Festnahmen nach Schüssen im Oktober

Nach Schüssen auf ein Uhrengeschäft am 21. Oktober sahen Zeugen drei Verdächtige auf E-Scootern flüchten. Die Polizei nahm daraufhin einen 18- und einen 42-Jährigen fest und fand bei einem von ihnen eine Schusswaffe. Laut Staatsanwaltschaft soll der Ältere mit einer Maschinenpistole geschossen haben, während der Jüngere die Tat filmte. Nach dem dritten wird noch gefahndet.

Die Serie reicht inzwischen weit über die Innenstadt hinaus: Seit Ende Mai wurden unter anderem Geschäfte oder Häuser in Vingst, Ostheim, Rodenkirchen oder Merkenich – aber auch in den benachbarten Städten Brühl und Erftstadt angegriffen.