Karlsruhe – Es sind Anschuldigungen, die so furchtbar sind, dass sie unvorstellbar erscheinen. Ein 19‑Jähriger aus Baden-Württemberg soll versucht haben, zwei Kinder über das Internet zu einem Selbstmord zu überreden – um live dabei zuzusehen! Eines der Opfer soll sich selbst dabei lebensgefährlich verletzt haben.
Der junge Mann aus dem Landkreis Tuttlingen habe dafür ein Online-Netzwerk für Sadisten gegründet, wie das Cybercrime-Zentrum Baden-Württemberg (CCZ) und das Polizeipräsidium Konstanz am Montag mitteilten. Er wurde am Morgen durch Spezialkräfte festgenommen und sitzt nun u.a. wegen zweifachen versuchten Mordes in Untersuchungshaft.
Opfer sollten sich mit Messern im Livestream verletzen
Konkret soll der Deutsche gemeinsam mit weiteren Beteiligten versucht haben, über Streamingdienste ein Kind und in einem weiteren Fall eine Jugendliche in den Suizid zu treiben. Dabei sei es zu lebensbedrohlichen Handlungen gekommen. Die Jugendliche hält sich laut den Ermittlern im Ausland auf. Das Kind konnte bislang nicht identifiziert werden.
„Die Opfer sollten sich das Leben nehmen oder sich selbst mit Messern oder Rasierklingen Symboliken der Gruppierung sowie den Nutzernamen des jeweiligen Mitglieds in die Haut ritzen“, erklärte die Polizei. „Die Opfer sollen zusätzlich dazu animiert werden, diese Symboliken und Nutzernamen mit ihrem austretenden Blut an eine Wand zu schreiben und zudem den Suizid und ihre Verletzungen per Livestream oder als Videoaufnahme ihrem Peiniger zu übermitteln.“
Fall ähnelt dem des „White Tiger“
Außerdem soll der Teenager in drei Fällen Mädchen zu Selbstverletzungen getrieben und eine 13-Jährige aus Deutschland gedrängt haben, Nacktaufnahmen zu schicken. Ihm werden zudem gefährliche Körperverletzung sowie die Gründung einer kriminellen Vereinigung und die Mitgliedschaft in ihr als Rädelsführer vorgeworfen. Parallel zur Festnahme seien fünf verschiedene Objekte durchsucht und elektronische Beweismittel sichergestellt worden.
Der Fall erinnert an den des als „White Tiger“ bekannt gewordenen Deutsch-Iraners Shahriar J. (21) aus Hamburg. Der 21-Jährige soll Kopf einer Gruppe sein, die zahlreiche Kinder im Internet sexuell missbraucht und gequält hat. Unter anderem soll er einen 13 Jahre alten US-Amerikaner in den Suizid getrieben haben. Die Staatsanwaltschaft Hamburg hat ihn unter anderem wegen Mordes angeklagt.