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WestBam über Corona-Politik – „Für mich war das der deutsche Hippie-Staat“

· Culture

Der Berliner DJ WestBam verteidigt das Schutzmotiv der staatlichen Corona-Politik. Im Gespräch mit WELT und ROLLING STONE für das Format „MusikerGrillen“ widerspricht der Musiker der Deutung, die damaligen Eingriffe seien Ausdruck eines faschistischen Staates gewesen. „Ich stimme Leuten nicht zu, die darin Faschismus sehen oder Bevormundung des Staates“, sagt er.

Der DJ beschreibt das damalige Handeln als Ausdruck staatlicher Fürsorge. „Für mich war das der deutsche Hippie-Staat“, sagt WestBam. „Dieser Staat lebt von Steuereinnahmen. Und er hat seine Industrie lahmgelegt, um alten und schwachen Menschen, deren Leben er bedroht sah, das Leben zu retten.“

Ein menschenfeindlicher Staat hätte aus seiner Sicht anders gehandelt. „Ein herzloser Staat würde sagen: Wir haben sowieso ein bisschen viele alte Leute. Kommt, macht weiter, geht arbeiten. Die Starken überleben. Für die Schwachen müssen wir dann wenigstens keine Rente mehr zahlen. Das wäre für mich menschenfeindlich.“

„Ich habe viele Möglichkeiten bekommen“

WestBams Aussagen fallen im Gespräch über persönliche Freiheit und die Frage, ob Menschen heute stärker eingeschränkt seien als früher. Der Musiker warnt davor, vergangene Zeiten zu verklären, und verweist auf die Möglichkeiten, die er selbst in Deutschland gehabt habe.

„Ich denke, die größten Unfreiheiten sind die, die man sich selber in seinem Kopf macht“, sagt er. Zugleich betont er, dass Menschen mit vielen Sorgen und Zwängen umgehen müssten und ein selbstbestimmtes Leben nicht leicht zu führen sei.

Seine eigene Erfahrung fällt dennoch positiv aus: „Ich möchte nicht über andere reden, aber ich hatte das Gefühl: Ich habe viele Möglichkeiten bekommen. Ich habe etwas daraus gemacht. Ich konnte mich entfalten.“ Daraus wolle er allerdings nicht ableiten, dass andere Menschen an ihren Schwierigkeiten selbst schuld seien.

DJ-Sets ohne Publikum empfand er als befremdlich

Den veränderten Arbeitsalltag während der Pandemie beschreibt WestBam durchaus kritisch. Einige wenige DJ-Sets habe er damals für die Übertragung ins Netz gespielt. Das Auflegen ohne unmittelbar anwesendes Publikum habe sich für ihn jedoch merkwürdig angefühlt.

„Ein DJ-Set ist für mich soziale Plastik. Eine Art, mit Menschen zu reden“, sagt er. „Und wenn dann keiner da ist und es zu einem Selbstgespräch wird, finde ich das irgendwie obskur.“ Schon wenige Menschen im Raum machten für ihn einen Unterschied: „Wenn du Musik mit jemand anderem hörst, fühlst du sie anders, als wenn du sie ganz alleine hörst.“

„MusikerGrillen“ ist ein gemeinsames Format von WELT und ROLLING STONE. Auf einer Berliner Dachterrasse sprechen Dennis Sand und Sassan Niasseri mit Musikern beim Grillen über ihre Biografie, ihre Karriere und gesellschaftliche Fragen. Zum Abschluss treten die Gäste mit einem ihrer Songs auf.

Folge 5 von „MusikerGrillen“ mit WestBam läuft am Samstag, 07. November, um 15 Uhr auf WELT TV.

Sehen Sie hier die letzten Folgen mit NDW-Star Joachim Witt und Thomas Anders.