Göttingen – Ein deutscher Verlag mit traditionsreicher Geschichte steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Die Krise der Druck- und Papierbranche macht auch vor dem weltbekannten Steidl Verlag nicht halt. Das Unternehmen ist für seine exklusiven Kooperationen mit renommierten Künstlern, Designern und Autoren bekannt – darunter auch der Literaturnobelpreisträger Günter Grass.
Die Folgen sind gravierend: Am 10. Juli eröffnete das Amtsgericht Göttingen ein vorläufiges Insolvenzverfahren über das Vermögen der Steidl GmbH & Co. OHG. Hintergrund der Insolvenz sind unter anderem unbezahlte Sozialabgaben. Verleger Gerhard Steidl erklärte dagegen, die offenen Sozialabgaben inzwischen beglichen zu haben.
Mitarbeiter verklagen Unternehmen
Doch nach Angaben des Göttinger Arbeitsrechtlers Sascha John seien weiterhin Klagen offen. Er vertrete seit eineinhalb Jahren etwa 20 Mitarbeiter des Verlages, weil Gelder nicht bezahlt oder verzögert bezahlt worden seien. Insgesamt wurden etwa zwei Dutzend Verfahren gegen das Unternehmen geführt. Fast immer sei es auf Zwangsvollstreckung hinausgelaufen. John zu BILD: „Noch immer ist ein mittlerer bis hoher fünfstelliger Betrag an Netto-Lohnforderungen offen.“
Das sagt der Anwalt des Verlegers
Hasso Werk, Rechtsanwalt des Verlegers, bestätigt die wirtschaftliche Schieflage des Traditionsbetriebs aus Niedersachsen gegenüber BILD. Aber: „Die Rückstände gegenüber den Mitarbeitern sollen schnellstens ausgeglichen werden“, so der Jurist. Dafür soll ein künftiger Käufer sorgen. „Wir suchen international nach einem Investor. Herr Steidl ist 75 Jahre alt und steht von morgens bis abends an den Druckmaschinen. Er will sein Lebenswerk fortgesetzt sehen. Ziel von Herrn Steidl ist es, bis Ende August einen Investor gefunden zu haben“, erklärt Werk.
Wofür der Verlag weltbekannt ist
1969 gründete Gerhard Steidl den Verlag. Seit 1993 hält dieser die Weltrechte am Werk von Günter Grass. Nach Angaben des Unternehmens gehören zum Programm „viele der renommiertesten zeitgenössischen Fotografen und Künstler“, darunter Karl Lagerfeld.
Wie kam es zur Pleite und was passiert jetzt?
Zu den Gründen der Krise äußert sich der Verleger: „Steigende Kosten für Energie und höhere Rohstoffpreise, vor allem für Papier, einerseits und ein starker Rückgang des Exports in die USA und nach China andererseits machen uns sehr zu schaffen.“ Wie geht es weiter? „Die Marke wird neu ausgerichtet. Sehr positiv entwickelt sich das Geschäft mit Corporate-Publikationen“, sagt Werk. Darunter fallen hochwertige Bücher für Firmen, etwa für den Schuhhersteller Birkenstock.