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Magdeburg (Sachsen-Anhalt) – Verhilft ausgerechnet der zurückgetretene CDU/CSU-Fraktionschef Jens Spahn (46) der AfD in Sachsen-Anhalt zum erhofften Wahlsieg? Pünktlich zum offiziellen Wahlkampfauftakt der Rechtsaußenpartei dreht sich die politische Debatte in Deutschland plötzlich um den CDU-Politiker – und nicht mehr um den Hymnen-Wirbel, der zuvor die AfD in die Schlagzeilen gebracht hatte.

AfD liegt in allen Umfragen vor der CDU

Am Samstag eröffnete Parteichefin Alice Weidel (47) in der Messe Magdeburg den Landtagswahlkampf ihrer Partei in Sachsen-Anhalt. Die AfD geht mit breiter Brust in die letzten Wochen vor der Abstimmung am 6. September. In allen Umfragen liegt sie deutlich vor der CDU und hofft auf die Übernahme der Staatskanzlei.

Auf dem Weg an die Macht könnte jetzt ausgerechnet Jens Spahn ungewollt zum Wahlkampfhelfer werden. Schon vor einer Woche wetterten Redner auf dem Landesparteitag in Magdeburg immer wieder gegen die angebliche „Lügen-CDU“. Zu diesem Zeitpunkt war noch gar nicht bekannt, dass Spahn seinen Sohn mithilfe einer Leihmutter in den USA bekommen hatte – obwohl er sich politisch stets gegen Leihmutterschaft ausgesprochen hatte.

Weidel nutzte den Fall Spahn gleich zu Beginn ihrer Rede vor mehr als 3000 jubelnden Anhängern für einen Frontalangriff auf die CDU. Für ihren Auftritt in Magdeburg hatte die Parteichefin eine Hochzeit abgesagt, bei der sie Trauzeugin sein sollte. „Heute ist die Bundesregierung noch einen Schritt weiter in den Abgrund gerutscht“, rief Weidel den Anhängern zu. Den Namen Jens Spahn erwähnte sie dabei kein einziges Mal. In der Messe wusste dennoch jeder, wen die AfD-Chefin meinte, als sie sagte: „Diese CDU macht Politik nur für sich selbst.“ Und weiter: „Die CDU macht Regeln, die für sie selbst nicht gelten. Das Beispiel haben wir gerade wieder gesehen.“

Trotz des Höhenflugs in den Umfragen sorgte zuletzt aber nicht der Machtanspruch der Rechtsaußenpartei für Aufsehen, sondern eine Debatte über die DDR-Vergangenheit. Auslöser waren Videos einer AfD-Veranstaltung im Golfpark Dessau, bei der Kabarettist Uwe Steimle (63) die DDR-Nationalhymne anstimmte. Weidels Co-Vorsitzender Tino Chrupalla (51) und Spitzenkandidat Ulrich Siegmund (35) stimmten mit ein. Für Siegmund steht in den kommenden sieben Wochen viel auf dem Spiel. Der Politiker aus der Altmark führt die Partei in die wohl wichtigste Landtagswahl ihrer Geschichte.