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Atlanta – Russlands Präsident Wladimir Putin (74) überzieht die Ukraine weiter mit Raketen und Drohnen. Zivilisten, darunter auch Teenager und Kinder, bekommen die volle Wucht des Krieges zu spüren. Sie werden aus ihren Häusern gebombt, an Bahnhöfen von Drohnen getötet oder im Schlaf von Gleitbomben. Während der Kreml-Tyrann eine furchtbare Blutspur in der Ukraine hinterlässt, ist sein Außenminister Sergej Lawrow (76) in Atlanta (USA) beim Treffen der G20‑Außenminister. Traditionell entsteht am Ende solcher Konferenzen ein Abschlussbild, das sogenannte Familienfoto. Darüber wurde im Vorfeld heftig diskutiert – mit peinlichen Folgen für Außenminister Johann Wadephul (63, CDU)!

Die Frage, mit der BILD den Minister am Donnerstag auf einer Pressekonferenz konfrontierte, lag auf der Hand: Würde er sich gemeinsam mit Lawrow ablichten lassen? Und welches Signal würde ein solches Foto im fünften Jahr des grausamen Krieges, mit dem Russland die Ukraine überzieht, in die Welt senden, welches Symbol? Wadephul antwortete diplomatisch: Bei Arbeitssitzungen würden „automatisch“ Bilder entstehen. Sollte ein gemeinsames Abschlussfoto geplant sein, werde er diesem nicht fernbleiben. Denn: „Es ist eben eine zentrale Aufgabe von Außenministern, miteinander zu sprechen“ – das sei der „Kern von Diplomatie“ und „diesem Geschäft widmen wir uns, auch wenn es schwer ist“. Der Minister betonte darüber hinaus, es gebe „keine Normalität zwischen Deutschland und Russland“, solange Russland weiter Krieg in der Ukraine führe.

Allerdings: Finanzminister Lars Klingbeil (48, SPD) hatte ein solches Foto mit seinem russischen Amtskollegen Anton Siluanow (63) Anfang September in Asheville (North Carolina) beim Treffen der G20‑Finanzminister verhindert – indem er den US-Gastgebern gemeinsam mit anderen EU‑Vertretern klarmachte, dass man kein Foto mit dem Russen wolle. Nach BILD‑Informationen diskutierten EU-Vertreter auch vor dem Außenminister-Treffen in Atlanta untereinander. Sollte es zwei Fotos geben, eins mit, eins ohne Lawrow? Oder gar keins? Offenbar setzten sich diejenigen durch, die komplett dagegen waren.

Denn Fakt ist: In der Nacht auf Freitag sickerte aus US-Kreisen durch, dass doch kein gemeinsames Foto entstehen sollte. Am Freitagmorgen dann Wadephuls Kehrtwende: „Es wird auf jeden Fall kein Familienfoto geben, auf dem unsere europäischen Partner gemeinsam mit Herrn Lawrow sind“, sagte der Minister vor Reportern. Und: „Wir müssen die Kontroversen hier am Tisch austauschen, deswegen ist das Gespräch wichtig. Aber wir dürfen auch keine falschen optischen Signale aussenden und deswegen wird das wahrscheinlich so sein.“ Klingt deutlich anders als am Tag zuvor …

Der frühere EU-Diplomat Klemens Fischer (62, Uni Köln) sagt zu BILD: „Wadephuls diplomatische Haltung ändert sich offenbar im Tagesrhythmus. Gestern hielt er ein Foto mit Lawrow noch für vereinbar mit europäischen Interessen, heute wäre es in seinen Augen ein falsches Signal gewesen. Besorgniserregend ist jedoch, nicht zu wissen, welche Meinung Wadephul morgen vertreten wird!“

Deutschland dringt immer wieder darauf, dass Russland an den Verhandlungstisch kommt, um den Krieg in der Ukraine zu beenden. Wadephul hatte sich im September in New York mit Lawrow getroffen, Vertreter beider Länder saßen rund 20 Minuten bei den Vereinten Nationen zusammen. Doch die Russen setzten auf Provokation statt auf Dialog: Lawrow hatte Wadephul ein 21-seitiges Propaganda-Pamphlet auf den Platz gelegt, in dem das Massaker von Butscha als ukrainische Inszenierung abgetan wird. Nach dem Treffen spottete er, dass es überflüssig gewesen sei – und schob dreist hinterher: Wadephul hätte ihn auch einfach anrufen können.