Verfassungsschutz benennt Rechtsextremismus erneut als größte Gefahr
Die Sicherheitslage in Deutschland bleibt vor dem Hintergrund des Ukrainekriegs und des wachsenden Extremismus angespannt. Der Rechtsextremismus bleibe dabei die größte Bedrohung für die Demokratie, heißt es im Bericht des Verfassungsschutzes für 2025, der der ZEIT vorliegt. Zugleich habe die Bedrohung durch den Linksextremismus erheblich zugenommen. Als weitere zentrale Herausforderungen gilt Islamismus sowie Spionage, Sabotage und Desinformation durch Staaten wie Russland. Der Antisemitismus wirke dabei als verbindendes Merkmal über verschiedene extremistische Szenen hinweg.
Dem Bericht zufolge ist das rechtsextremistische Potenzial im vergangenen Jahr um mehr als 8.000 auf fast 60.000 Menschen angewachsen. Als besonders beunruhigend wird der Trend zur Verjüngung, Vernetzung und zum Aktionismus beschrieben. Als Beispiele werden der Rechtsterrorismus der Gruppe »Letzte Verteidigungswelle« und die virtuelle Vernetzung im »Brenton Fanclub« genannt. Die Szene der »Reichsbürger« und »Selbstverwalter« umfasse bundesweit rund 26.000 Menschen, von denen etwa 2.600 gewaltorientiert seien.
Dobrindt warnt vor gewaltbereiten Linksextremisten
Eine erhebliche Gefahr gehe auch von gewaltbereiten Linksextremisten aus, warnte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt im Vorwort des Berichts. Deren Potenzial sei auf 42.200 Menschen angewachsen, der gewaltorientierte Anteil erreichte mit 11.600 einen neuen Höchststand. Als Belege für die Gefahr werden Brandanschläge auf die Berliner Stromversorgung im September 2025 und Januar 2026 sowie ein Anschlag auf 22 Fahrzeuge der Münchner Polizei im Jahr 2025 aufgeführt.
Islamismus und der islamistische Terrorismus stellen dem Bericht zufolge unverändert eine erhebliche Gefahr dar. Die Bedrohung gehe zunehmend von jungen, allein handelnden und online radikalisierten Tätern aus. Im November 2025 hatten die Sicherheitsbehörden die Vereinigung »Muslim Interaktiv« verboten. Der andauernde Nahostkonflikt, der durch den Irankrieg noch verschärft worden sei, wirke sich weiterhin auf Deutschland aus und führe zu einer Zunahme antisemitischer Hetze.
Dobrindt bezeichnete den Verfassungsschutzbericht im Vorwort als »das zentrale Frühwarnsystem unserer Demokratie«. Er wolle sich dafür einsetzen, ihn personell und technisch zu stärken und ihm weitere Befugnisse einzuräumen. »Der freiheitlich-demokratische Verfassungsstaat muss konsequent verteidigt werden«, schrieb er.
Im letzten Jahr vorgestellten Bericht für 2024 wurde bei den Straftaten mit extremistischem Hintergrund ein neuer Höchststand festgestellt. Diese waren demnach um 46 Prozent auf 57.701 Fälle angestiegen.